13.10.2003, 13:26 Uhr
Bakterien gegen Uran im Grundwasser

Im Erdreich lebende Bakterien können zur Behandlung uranverseuchter Böden eingesetzt werden, haben amerikanische Wissenschaftler herausgefunden. Nach "Düngen" des Untergrunds vermehren sich die Mikroben stark und wandeln wasserlösliches Uran in eine unlösliche Form um. Probleme bereitet allerdings die Ökologie im Erdreich.

Als Folge der Uranverarbeitung sind Böden in zahlreichen Ländern mit dem giftigen und radioaktiven Schwermetall verseucht. Sorge bereitet vor allem die sechsfach oxidierte Form des Urans, da sie wasserlöslich ist und ins Grundwasser übergehen kann. Mit etwas Unterstützung wandeln Bakterien der Gattung Geobacter dieses sechswertige Uran jedoch in die nicht wasserlösliche vierwertige Form um, fand die Gruppe um Robert Anderson und Derek Lovley von der University of Massachusetts, Amherst.

Das Team leitete Salze der Essigsäure in einen mit Uran kontaminierten Grundwasserleiter im US-Bundesstaat Colorado ein. Ob des plötzlichen Nährstoffreichtums setzte binnen weniger Tage eine starke Vermehrung von Geobacter ein, berichten die Forscher im Fachblatt "Applied & Environmental Microbiology". Gleichzeitig sank die Urankonzentration im Grundwasser - nach 50 Tagen waren 70 Prozent der wasserlöslichen in die wasserunlösliche Form umgewandelt worden.

Wurde die Düngung über diesen Zeitpunkt hinaus fortgesetzt, zeigten sich jedoch weitere Veränderungen in der unterirdischen Lebensgemeinschaft. Anstelle von Bakterien, die Metalle wie Uran und Eisen reduzieren, gewannen nun jene Mikroben die Oberhand, die Schwefelverbindungen verarbeiten. Geobacter wurde wieder seltener und der Urangehalt des Grundwassers stieg erneut an. "Diese Resultate demonstrieren, dass die in-situ-Bioremediation uranverseuchter Böden machbar ist", schreiben Anderson, Lovley und Kollegen, "sie zeigen jedoch, dass die Strategie optimiert werden muss, um die Aktivität der Geobacter-Arten über längere Zeit aufrecht zu erhalten."


Forschung: Robert T. Anderson, Helen A. Vrionis, Irene Ortiz-Bernad und Derek R. Lovley, Department of Microbiology, University of Massachusetts, Amherst; und andere

Veröffentlicht in Applied and Environmental Microbiology, Vol. 69(10), Oktober 2003, pp 5884-91

WWW:
Lovley Lab
Geobacter - Surprising Survival Tactics
Uran

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