22.10.2003, 12:14 Uhr
Gasblasen können Schiffe versenken
Eine vom Meeresgrund aufsteigende Gasblase kann ein Schiff versenken, haben australische Mathematiker ermittelt. Ihre Versuche und Modellrechnungen zeigen, dass eine einzige Gasblase die Wasseroberfläche derart verformen würde, dass ein Wasserfahrzeug förmlich ins Verderben rutscht.
"Unsere Motivation ist die mögliche Gefahr, die von natürlich vorkommenden Methan-Gashydraten in der Nordsee ausgehen könnte", schreiben David May und Joseph Monaghan von der Monash University, Melbourne, im "American Journal of Physics". Gashydrate sind käfigartige Wasserkomplexe am Meeresgrund, die große Mengen von Gasen speichern und bei Störungen schlagartig freisetzen können.
Vor einigen Jahren war am Meeresgrund vor der schottischen Küste ein Schiffswrack entdeckt worden, das inmitten der "Narbe" eines solchen Gasausbruchs ruht. Laborexperimente hatten vermuten lassen, dass viele kleine Gasblasen ein Schiff versenken könnten, indem sie die Wasserdichte und damit den Auftrieb verringern. Die neuen Resultate zeigen, dass auch eine einzige Blase derart katastrophale Folgen haben könnte, wenn sie von ähnlichen Dimensionen wie das Schiff ist.
Als zweidimensionales Modell der Realität untersuchten die Mathematiker eine dünne Wasserschicht zwischen zwei Glasplatten, auf der ein Plastikscheibchen von der Form eines Schiffsrumpfes schwamm. Stieg nun eine große Gasblase in der Apparatur auf, beulte sie die Wasseroberfläche aus. Am Rand dieses "Wasserbergs" bildete das abfließende Wasser tiefe Einbuchtungen, in die das "Schiff" hineingezogen wurde. Platzte die Blase schließlich an der Wasseroberfläche, rissen starke Strömungen das Plastikscheibchen zusätzlich in die Tiefe.
Forschung: David A. May und Joseph J. Monaghan, School of Mathematical Sciences, Monash University, Melbourne
Veröffentlicht in American Journal of Physics, Vol. 71(9), pp 842-9
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