15.10.2003, 19:10 Uhr
Blaumeisen: Vom Nutzen des Seitensprungs

Monogam lebende Blaumeisen sind gelegentlichen Seitensprüngen nicht abgeneigt. Auf welche Weise die Tiere von den Paarungen mit fremden Tieren profitieren, hat eine deutsch-norwegische Forschergruppe untersucht. Offenbar sind die weiblichen Meisen sowohl auf "gute" als auch auf "andere" Gene aus. Lohn der Untreue ist eine größere und erfolgreichere Nachkommenschar.

Bart Kampenaers von der Max-Planck-Forschungsstelle für Ornithologie in Seewiesen und seine Kollegen verfolgten über vier Jahre das Treiben in einer Population individuell markierter Blaumeisen (Parus caeruleus), die in Nistboxen im Wienerwald lebt. Unter anderem führten die Forscher genetische Untersuchungen an rund 2.500 Küken durch und ermittelten die Verwandtschafts- und Vaterschaftsverhältnisse.

Verglichen mit "ehelichen" Küken besaßen "uneheliche" Küken häufiger zwei unterschiedliche Kopien eines Gens, berichten die Forscher im Magazin "Nature". Diese Tiere machten einen höheren Anteil jener Nachkommen aus, die bis ins Erwachsenenalter überlebten und selbst wieder in dem Gebiet brüteten. Als ausgewachsene Weibchen legten sie mehr Eier, Männchen mit vielen unterschiedlichen Genkopien waren dagegen besonders erfolgreich im Großziehen der Nachkommen. Zudem trugen sie einen besonders kräftig gefärbten Kopfschmuck.

Erstaunlicherweise lassen sich weibliche Blaumeisen aber auch auf Seitensprünge mit Männchen ein, die ihnen genetisch relativ ähnlich sind, fanden Kampenaers und seine Kollegen. In diesen Fällen waren die Männchen jedoch deutlich älter und größer als der eigentliche Partner der Weibchen. "Dies lässt vermuten, dass die Weibchen unterschiedliche Vorteile durch außerpaarliche Kopulationen mit mehreren Männchen erzielen", schreiben die Forscher. Offenbar wollten die Tiere einerseits Inzuchteffekte vermeiden, gleichzeitig aber auch Nachwuchs mit besonders "guten" Genen produzieren.


Forschung: Katharina Foerster, Kaspar Delhey, Arild Johnsen und Bart Kempenaers, Max-Planck-Forschungsstelle für Ornithologie, Starnberg (Seewiesen); Jan T. Lifjeld, Zoological Museum, University of Oslo

Veröffentlicht in Nature, Vol. 425, 16. Oktober 2003, pp 714-7

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Homepage der Arbeitsgruppe
Meisen
The more deadly of the species

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