21.10.2003, 13:26 Uhr
Arsen gegen Gehirntumoren

Ausgerechnet Arsen könnte im Kampf gegen hartnäckige Gehirntumoren helfen. Das berichten zwei amerikanische Onkologen auf einer Fachtagung in Salt Lake City. Kombiniert mit einer Bestrahlung, kann eine Arsenverbindung demnach aggressiven Glioblastomen den Garaus machen - zumindest im Tierversuch.

Allein in Deutschland wird jährlich bei etwa 5.000 Personen ein Glioblastom diagnostiziert. Da die Tumoren rasch um sich greifen und nach einer Behandlung häufig wiederkehren, beträgt die Überlebenszeit der Betroffenen im Schnitt nur ein Jahr. "Viele Gehirntumoren sind nicht heilbar", sagt Susan Knox von der kalifornischen Stanford University. "Der Einsatz von Arsentrioxid zusammen mit Strahlung könnte jedoch eine Möglichkeit sein, die Behandlung effektiver zu machen."

Arsentrioxid wird bereits zur Behandlung einer seltenen Leukämieform eingesetzt. Die Verbindung treibt Zellen in den programmierten Selbstmord, indem sie unter anderem reaktive Sauerstoffmoleküle freisetzt. Knox und ihr Kollege Shoucheng Ning vermuteten, eine Bestrahlung könnte die Bildung dieser Moleküle beschleunigen und so wiederum die Wirksamkeit der Bestrahlung selbst erhöhen.

Versuche mit Zellkulturen und an Mäusen, denen menschliche Glioblastom-Zellen unter die Haut gepflanzt worden waren, bestätigten die Vermutung. Eine Bestrahlung bremste das Wachstum der Tumoren für 45 Tage, Arsentrioxid allein hatte keinen Effekt. Arsentrioxid gefolgt von einer Bestrahlung ließ die Geschwülste dagegen in 80 Prozent der Fälle verschwinden und bei den übrigen Tieren dauerhaft schrumpfen. "Die von uns eingesetzte Konzentration kann auch bei Menschen erreicht werden und ist gut verträglich", sagt Ning. Er und Knox hoffen, bereits im nächsten Jahr mit klinischen Versuchen beginnen zu können.


Forschung: Shoucheng Ning und Susan J. Knox, Department of Radiation Oncology, Stanford University Medical Center

Präsentation auf dem Jahrestreffen der American Society for Therapeutic Radiology and Oncology, Salt Lake City, Utah

WWW:
Krebsinformationsdienst, DKFZ Heidelberg
Glioblastom

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