23.10.2003, 15:45 Uhr
Trockenheit trieb Anden in die Höhe
Die Anden sind die längste Gebirgskette der Welt. Ihr höchster Berg, der Aconcagua, erreicht eine Höhe von 6959 Metern. Dies verdankt er wohl nicht nur der pazifischen Platte, die sich vor der chilenischen Küste unter die südamerikanische Platte schiebt. Auch das kalttrockene Klima soll mit verantwortlich dafür sein, dass die Anden im Vergleich zu anderen Gebirgszügen etwa doppelt so hoch wachsen konnten. Diese These vertreten zwei Geologen im Magazin "Nature".
Simon Lamb von der Oxford University und Paul Davis von der University of California sind der Meinung, dass in den letzten 50 Millionen Jahren, als der Gebirgszug in die Höhe zu wachsen begann, überwiegend kaltes Wasser die Westküste Südamerikas entlang strömte. Wegen der Kälte sei nur wenig Wasser verdunstet, dadurch habe es auch nur geringe Niederschläge in der Küstenregion gegeben.
Normalerweise spült der Regen losen Boden und Lehm in die Flüsse. Diese tragen das Erdreich ins Meer, wo es sich als Sediment ablagert und den Erdplatten bei der Reibung aneinander als Schmiermittel dient. Der pazifischen und der südamerikanischen Platte fehlt es offenbar an den nötigen Sedimenten. Die Ablagerungen vor der chilenischen Küste sind entweder gar nicht vorhanden oder unter 500 Meter dick, schreiben die Forscher in "Nature".
Weil die Platten mangels Schmierung nur schwerfällig übereinander gleiten, bildeten sich über Millionen Jahre hinweg zahlreiche Risse. Diese begünstigen eine Faltung des Gesteins und den Aufstieg von Gebirgen. Gleichzeitig wirken die Risse Spannungen entgegen, die sich in Erdbeben entladen könnten. Deshalb gebe es in den höchsten Andenregionen die wenigsten Erdbeben, sagen die Forscher.
Forschung: Simon Lamb, Department of Earth Sciences, Oxford University; Paul Davis, Department of Earth and Space Sciences, University of California, Los Angeles, in "Nature", Vol. 425, 23.10.2003, pp 792-797
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