25.9.2003, 13:27 Uhr
Zwergenmord: Wie die Milchstraße ihre Begleiterin frisst
In gewissem Sinne fällt uns tatsächlich der Himmel auf den Kopf, haben amerikanische Astronomen entdeckt. Ihre Karten eines kosmischen Dramas zeigen, wie sich die Milchstraße nach und nach die kleine Sagittarius-Galaxie einverleibt. Überreste der unglücklichen Begleiterin ziehen sich wie ein Band um und durch unsere Galaxie - einige davon finden sich in unmittelbarer Nähe zur Sonne.
"Es steht außer Frage, wer hier der Rüpel ist", sagt Steven Majewski von der University of Virginia in Charlottesville. Er und seine Kollegen werteten Daten einer groß angelegten Durchmusterung des Himmels im Infrarotbereich aus, dem Two-Micron All Sky Survey (2MASS), um die Trümmer der Sagittarius-Galaxie aufzuspüren. Die erst vor wenigen Jahren entdeckte Galaxie besitzt etwa 10.000-mal weniger Masse als die Milchstraße und wird durch ihre größere Schwester in die Länge gezogen, verdreht und allmählich verschluckt.
Die Astronomen suchten unter rund 500 Millionen erfassten Sternen nach so genannten M-Riesen. Dieser Sternentyp ist in der Sagittarius-Galaxie sehr häufig, in den Außenbezirken der Milchstraße dagegen selten. Indem die Forscher die Positionen von M-Riesen auf ihren Karten vermerkten, entstand das Bild einer arg gebeutelten Galaxie, die mittlerweile Tausende von Sternen an die Milchstraße verloren hat. "Sowohl Sterne als auch Sternenhaufen, die sich nun im äußeren Bereich der Milchstraße finden, sind tatsächlich 'Diebesgut', das von Sagittarius abgenagt worden ist", erläutert Majewski.
Wie die Forscher demnächst im "Astrophysical Journal" berichten, scheint die Sagittarius-Galaxie nach zwei Milliarden Jahren fortwährender Zersetzung ihren inneren Zusammenhalt verloren zu haben. "Wir sehen Sagittarius am Ende ihres Daseins als intaktes System", sagt Majewskis Kollege Martin Weinberg von der University of Massachusetts. Gleichzeitig liefere die Form der Trümmerspur neue Erkenntnisse über den Hof aus Dunkler Materie, der die Milchstraße umgibt.
Forschung: Steven R. Majewski und Michael Skrutskie, Deparment of Astronomy, University of Virginia, Charlottesville; und andere
Veröffentlichung im Astrophysical Journal, 20. Dezember 2003
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