24.9.2003, 19:06 Uhr
Kohlendioxid: Starke Ansäuerung der Ozeane befürchtet

Der ungezügelte Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid würde nicht nur eine deutliche Erwärmung bewirken, sondern auch die Chemie der Ozeane beeinflussen. Zwei amerikanische Klimatologen schätzen, dass der Säuregrad des Meerwassers in den kommenden Jahrhunderten höhere Werte erreichen könnte, als bei jeder natürlichen Veränderungen in den letzten 300 Millionen Jahren.

Diese Ansäuerung würde eine Bedrohung für Fauna und Flora des Meeres darstellen, schreiben Ken Caldeira und Michael Wickett vom kalifornischen Lawrence Livermore National Laboratory im Magazin "Nature". "Korallenriffe, Kalk abscheidendes Plankton und andere Organismen, deren Skelett oder Schale Calciumcarbonat enthält, könnten besonders stark beeinflusst werden."

Bei der Verbrennung fossiler Energieträger wird Kohlendioxid freigesetzt, das im Meerwasser zu "Kohlensäure" reagiert. Caldeira und Wickett gingen nun davon aus, dass die Emissionen etwa bis zum Jahr 2100 ungebremst ansteigen und dann wieder sinken, indem die Brennstoffvorräte zur Neige gehen. Ihren Modellrechnungen zufolge würde der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre unter diesen Bedingungen um das Jahr 2300 mehr als das Fünffache des heutigen Wertes erreichen. Als Folge würde der pH-Wert in den oberflächennahen Schichten der Meere um 0,77 Einheiten sinken, entsprechend einem Anstieg des Säuregehaltes um fast das Sechsfache.

"Basierend auf den atmosphärischen CO2-Gehalten in den letzten 300 Millionen Jahren und unserem geochemischen Modell, gibt es keinen Beleg dafür, dass der pH-Wert der Ozeane mehr als 0,6 Einheiten unter dem heutigen Wert lag", so die Forscher. Ähnlich starke Veränderungen der Meereschemie könnten vielleicht nur durch Einschläge riesiger Himmelskörper oder katastrophale Methanfreisetzungen aus Gashydraten verursacht werden.


Forschung: Ken Caldeira und Michael E. Wickett, Energy and Environment Directorate und Center for Applied Scientific Computing, Lawrence Livermore National Laboratory, Livermore, Kalifornien

Veröffentlicht in Nature, Vol. 425, 25. September 2003, p 365

WWW:
Intergovernmental Panel on Climate Change
How to Mend a Broken Climate
pH-Wert

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