30.9.2003, 12:50 Uhr
Rege Freizeitaktivität schützt vor Alzheimer

Wer in seiner Freizeit besonders rührig ist, beugt damit einem Rückgang der geistigen Fähigkeiten im hohen Alter vor. Zu diesem Schluss kommen amerikanische und schwedische Mediziner nach der Untersuchung von über 100 Zwillingspaaren im Seniorenalter. Eine große Zahl von Hobbys und sozialen Kontakten schützte demnach besonders Frauen vor Demenz und vor der Alzheimerschen Krankheit.

Das Sprichwort "Wer rastet, rostet" gelte offenbar nicht nur in körperlicher, sondern auch in geistiger Hinsicht, sagt Ross Andel von der University of South Florida in Tampa. "Unsere Entdeckung, dass intellektuell-kulturelle Aktivität Frauen schützte, Männer jedoch weniger stark, kam unerwartet", so der Mediziner. Er und seine Kollegen vermuten, die untersuchten Männer könnten schon im Beruf genügend geistige Anregung erhalten haben, während Frauen sich diese in der Freizeit holen mussten.

Die Forscher werteten Daten des schwedischen Zwillingsregisters aus. Dabei konzentrierten sie sich auf rein männliche bzw. weibliche Zwillingspaare, die zwischen 1886 und 1925 geboren worden waren, in den 60er-Jahren Fragebögen zu ihren Freizeitaktivitäten ausgefüllt hatten und etwa 20 Jahre später erneut untersucht wurden. Für die Analyse berücksichtigten sie nur jene 107 Zwillingspaare, bei denen ein Geschwister eine geistige Beeinträchtigung aufwies, das andere jedoch nicht.

Zu den Freizeitaktivitäten gehörten Lesen, Besuche bei Freunden und Bekannten, Theater, Kino, Mitarbeit in Vereinen, Gartenarbeit oder Sport. Eine höhere Zahl solcher Aktivitäten senkte das Risiko für Demenz und - bei Frauen - auch das Risiko für Alzheimer, berichten die Mediziner im "Journal of Gerontology B". Der Effekt "kann unserer Meinung nach nicht durch Unterschiede in der Ausbildung oder Gemeinsamkeiten wie etwa die Lebensumstände in jungen Jahren oder die genetische Ausstattung erklärt werden", so Andel.


Forschung: Michael Crowe, Ross Andel und Margaret Gatz, Department of Psychology und Leonard Davis School of Gerontoloty, University of Southern California, Los Angeles; und andere

Veröffentlicht in Journal of Gerontology B: Psychological Sciences and Social Sciences, Vol. 58(5), p 249-55

WWW:
Alzheimersche Krankheit
Demenzerkrankung

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