14.8.2003, 20:52 Uhr
Riffsterben begann vor Jahrtausenden
Seit es Menschen gibt, zerstören sie Korallenriffe. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Biologengruppe im Magazin "Science". Ihre bis zu 40.000 Jahre zurück reichende Rekonstruktion der Riff-Vergangenheit zeigt, dass mit jeder neuen Kulturperiode immer mehr Arten aus den Korallenriffen der Welt verschwanden. Das derzeitige Ausbleichen der Korallen ist nur das jüngste Kapitel in einer langen Geschichte der Zerstörung - und womöglich auch das letzte.
Ungeachtet der Intensität der gegenwärtigen Bedrohungen wie Schadstoffen und Krankheiten "zeigen unsere Resultate, dass die Riffsysteme nicht länger als einige wenige Jahrzehnte überleben werden, wenn sie nicht unverzüglich und umfassend vor der Ausbeutung durch den Menschen geschützt werden", schreiben die Forscher um John Pandolfi von der Smithsonian Institution in Washington, D.C.
Um mehr über den ursprünglichen Zustand von 14 Riffgebieten und deren Veränderungen zu erfahren, analysierten die Wissenschaftler mehrere hundert Quellen von paläontologischen Studien bis hin zu Fischerei-Aufzeichnungen aus der Kolonialzeit. Den zeitlichen Ablauf teilten sie entsprechend der regionalen technologischen Entwicklung in sieben Perioden ein, von den Anfängen des Menschen als Jäger und Sammler über den Beginn der Landwirtschaft bis zur Postmoderne.
"Was uns wirklich verblüffte, war die Universalität der Entwicklungspfade", sagt Karen Bjorndal von der University of Florida in Gainesville. Unabhängig von der jeweiligen Region wurden zuerst die großen Räuber und Pflanzenfresser, dann die kleineren Arten und schließlich die Riffbauer selbst beeinträchtigt. "Sobald die menschliche Ausbeutung begann, zu Beginn des 17. Jahrhunderts auf den Bermudas oder zehntausende Jahre zuvor am Roten Meer, stets lief das gleiche Szenario ab."
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Jahrzehnte vor den ersten Gerätetauchern und ihren Berichten über die Unterwasserwelt, seien bereits über 80 Prozent aller Korallenriffe geschädigt gewesen, schreiben Pandolfi, Bjorndal und ihre Kollegen. Die neuen Resultate lieferten den Maßstab zur Bewertung des Ist-Zustandes und der Schutzbemühungen.
"Die Bewahrung des Status quo [...] ist ein bestenfalls dürftiges Schutzziel", so die Forscher, "vielmehr sollte die Wiederherstellung der weit vom ursprünglichen Zustand entfernten Riffe angestrebt werden."
Forschung: John M. Pandolfi, Department of Paleobiology, National Museum of Natural History, Smithsonian Institution, Washington, DC; Karen A. Bjorndal, Department of Zoology, University of Florida, Gainesville; und andere
Veröffentlicht in Science, Vol. 301, 15. August 2003, pp 955-8
WWW:
http://www.nmnh.si.edu/paleo/curator_cvs/pandolfi.html
Equipe Cousteau:
http://www.cousteau.org/
| [Zurück] | |

