14.8.2003, 13:06 Uhr
Röntgen: Interner Schutzschild für Ungeborene
Ein bei Röntgenaufnahmen häufig verwendetes Kontrastmittel könnte eine gänzlich neue Anwendung finden, sind amerikanische Physiker und Mediziner überzeugt. Ihrer Ansicht nach stellt Bariumsulfat im Darm einer Schwangeren einen wirkungsvollen Schutzschild dar, der den Fötus vor Röntgenstrahlung schützt. Auf diese Weise könnten sich auch werdende Mutter einer Computertomographie unterziehen.
Vor Röntgenuntersuchungen der Verdauungsorgane müssen Patienten häufig einen Brei von Bariumsulfat schlucken. Indem die Masse Röntgenstrahlung absorbiert, erhöht sie den Kontrast der Aufnahmen und lässt beispielsweise den Verlauf und eventuelle Verengungen des Darms auf den Bildern geradezu plastisch hervortreten. Im Falle werdender Mütter könnte ein mit Kontrastmittel gefüllter Darm wie ein interner Schutzschild für den Fötus fungieren, glauben Chester Reft von der University of Chicago, Illinois, und seine Kollegen.
Beispielsweise sei bei Verdacht auf Lungenembolie eine Computertomographie des Brustkorbs angebracht, so die Forscher. In diesem Fall könne jedoch im Brustkorb gestreute Röntgenstrahlung durch das Zwerchfell treten und den Fötus in Mitleidenschaft ziehen. Ein Brei mit zwei Gewichtsprozent Bariumsulfat zwischen Brustkorb und Bauch kann diese Streustrahlung schon um bis zu 32 Prozent reduzieren, ermittelten die Forscher, indem sie Computertomographien an unterschiedlich präparierten "Phantompuppen" durchführten.
Ein Brei mit vierzig Prozent Bariumsulfat, ähnlich dem bei Magen- oder Darmuntersuchungen verwendeten Gehalt, "würde die fötale Dosis auf vernachlässigbare Werte reduzieren, so dass selbst Folgeaufnahmen von hoher Qualität bei minimalem Risiko angefertigt werden könnten", berichteten Reft und seine Kollegen nun auf der Jahresversammlung der "American Association of Physicists in Medizine" im kalifornischen San Diego.
Forschung: Chester S. Reft, Department of Radiation and Cellular Oncology, University of Chicago, Illinois; und andere
Präsentation auf dem 45th Annual Meeting of the AAPM, San Diego
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