6.8.2003, 12:01 Uhr
Erstmals Form einer Supernova bestimmt
Wenn alte Sterne ein letztes Mal zünden, muss die folgende Explosion nicht unbedingt perfekt kugelförmig sein. Das haben amerikanische und europäische Astronomen ermittelt. Ihre Beobachtungen einer Supernova zeigen, dass deren Feuerball zunächst leicht asymmetrisch war, sich mit der Zeit jedoch der Kugelform annäherte.
"Zum ersten Mal haben wir die tatsächliche Asymmetrie einer Supernova vom Typ Ia gemessen", sagt Lifan Wang vom Lawrence Berkeley National Laboratory. Das Resultat zeige, dass gegenwärtige Modelle von Supernova-Explosionen überarbeitet werden müssten. Und da solche Sternenexplosionen als kosmische Entfernungsmesser dienen, zeige es auch, "welchen Wert Supernovae für die Kosmologie haben."
Wang und seine Kollegen nutzten das Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte in Chile, um die Explosion der Supernova SN 2001el zu verfolgen. Wie die Forscher im "Astrophysical Journal" berichten, war das Licht vor und während der größten Helligkeit der Explosion leicht polarisiert - die elektromagnetischen Schwingungen waren also nicht rein zufällig, sondern etwas häufiger in einer Ebene ausgerichtet. Daraus berechnen die Astronomen, dass der Feuerball der Explosion zu diesem Zeitpunkt um etwa zehn Prozent abgeplattet war. Eine Woche später schien er jedoch die Kugelform angenommen zu haben, da nun keine Polarisation mehr festzustellen war.
Typ Ia-Supernovae wie SN 2001el gehen auf Weiße Zwerge zurück, die Material von einem Begleitstern aufsammeln und an einem bestimmten Punkt erneut die Kernfusion zünden. Aus Helligkeitsmessungen an solchen "Standardkerzen" war geschlossen worden, dass sich das Universum immer schneller ausdehnt. Laut Wang hatten die Messungen jedoch einigen Spielraum gelassen, der nun durch die leicht abgeplattete Form erklärt werden könnte. "Die bei SN 2001el gemessene Asymmetrie ist genügend ausgeprägt, um einen Großteil dieser Unsicherheit zu erklären", so der Forscher. Sollten sich alle Typ Ia-Supernovae derart verhalten, könnten die Helligkeitsmessungen sogar "sehr viel einheitlicher sein, als wir bislang angenommen haben."
Forschung: Lifan Wang, Lawrence Berkeley National Laboratory; Dietrich Baade, ESO, Garching; und andere
Veröffentlicht in Astrophysical Journal, Vol. 59, pp 1110 ff.
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