10.11.2003, 16:33 Uhr
Umweltbelastung durch Schiffe unterschätzt

Die gesamte Schifffahrt stößt wahrscheinlich doppelt so viele Schadstoffe aus wie bislang vermutet. Alle Schiffe zusammen kommen den Stickoxid-Emissionen der USA gleich, schätzen ein amerikanischer und ein deutscher Forscher. Sie empfehlen, Klimamodelle mit aktualisierten Schadstoffdaten neu zu berechnen.

Um Emissionen aus der Schifffahrt abschätzen zu können, müssen Treibstoff-Verkäufe und Turbinenleistung miteinander verrechnet werden. James Corbett von der University of Delaware und Horst Köhler von MAN B&W Diesel in Augsburg gehen in ihrer Berechnung davon aus, dass 88.000 Schiffe weltweit jährlich rund 289 Millionen Tonnen Treibstoff verbrauchen.

Ihre im Magazin "Journal of Geophysical Research: Atmospheres" veröffentlichte Schätzung ist allerdings nicht unumstritten.

Die Fachwelt sei sich zwar einig, dass die bisherigen Zahlen zu niedrig angesetzt seien, schreibt das Magazin "Nature" in seiner Online-Ausgabe. Corbett und Köhler gingen aber möglicherweise von einer zu hohen durchschnittlichen Motorenleistung der Schiffsturbinen aus. Norwegische Forscher sollen beispielsweise den globalen Schadstoff-Ausstoß der Schiffe für nur 30 Prozent unterschätzt halten.

Neben den Stickoxiden stoßen Schiffe auch große Mengen Kohlendioxid und andere Treibhausgase aus, die etwa dem Ausstoß des weltweiten Flugverkehrs entsprechen. Weil beide Verkehrsmittel grenzüberschreitend unterwegs sind, unterliegen sie nicht den Bestimmungen des Kyoto-Klimaprotokolls. Corbett fordert, die entsprechenden Regelungen wegen der Bedeutung für das globale Klima zu überarbeiten und auch auf die Schifffahrt nationale Gesetze anzuwenden.


Forschung: James Corbett, University of Delaware, Newark; Horst Köhler, MAN B&W Diesel, Augsburg; in "Journal of Geophysical Research: Atmospheres", Vol. 108, No. D20, 4650, doi:10.1029/2003JD003751, 2003

Abstract im "Journal of Geophysical Research: Atmospheres"

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