13.11.2003
Fluoreszierende Krebse: Protzen mit Photonen

Wenn Fangschreckenkrebse sich bedroht fühlen, richten sie sich auf und präsentieren dem Kontrahenten ihre eindrucksvollen Fangbeine. Fluoreszierende Pigmente auf dem Panzer der Tiere unterstreichen die Wirkung dieser Gebärde, berichten amerikanische und australische Biologen im Magazin "Science". Vor allem Rivalen auf Wohnungssuche können die leuchtend gelben Flecken kaum übersehen.

"Fluoreszenz kann unter Wasser stärker zur Farbgebung beitragen als auf dem Land", schreiben Justin Marshall von der University of Queensland in Brisbane und seine Kollegen, "da das Spektrum des ausgesandten Lichts sich effektiv von der bläulichen Umgebung abheben kann." Erst kürzlich hatten die Forscher gezeigt, dass Wellensittiche durch fluoreszierende Federn ihren Erfolg beim anderen Geschlecht steigern. Nun untersuchten sie gänzlich unromantische Begegnungen am Meeresgrund.

Foto: Science

Foto: Science

Die gut ellenlangen Fangschreckenkrebse der Art Lysiosquillina glabriuscula leben in bis zu 60 Metern Tiefe im Atlantik. Zu ihrer Nahrung kommen die Einzelgänger auf ähnliche Weise wie Gottesanbeterinnen, indem sie blitzschnell dornenbesetzte Fangbeine vorschnellen lassen.

Nähert sich ein Artgenosse ihrer Wohnröhre oder sehen sie sich einem Räuber gegenüber, versuchen es die Krebse zunächst mit Einschüchterung: Um imposanter zu wirken, richten sie Kopf und Thorax auf und strecken alle verfügbaren Extremitäten von sich. Dabei werden gelblich schimmernde Stellen ihres Panzers sichtbar.

Marshall und sein Team nahmen diese Flecken nun genauer unter die Lupe. Wie sie in einem online veröffentlichten Artikel berichten, werden die fluoreszierenden Pigmente durch blaues Licht besonders gut zum Leuchten angeregt - im Meer eine ideale Eigenschaft.

Die Forscher schätzen, dass, objektiv gemessen, rund 10 Prozent der von den Flecken ausgehenden Photonen auf Fluoreszenz beruhen. Subjektiv betrachtet, nämlich mit den Augen eines Artgenossen, mache das gelbliche Schimmern sogar bis zu 30 Prozent aus.


Forschung: Charles H. Mazel, Physical Sciences Incorporated, Andover, Massachusetts; N. Justin Marhsall, Vision, Touch, and Hearing Centre, University of Queensland, Brisbane; und andere; in "Science Express", 13. November 2003, DOI 10.1126/science.1089803

Homepage Justin Marshall
The Lurker's Guide to Stomatopods
Lysiosquillidae
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