6.11.2003, 17:54 Uhr
Seeigel werden bis zu 200 Jahre alt

Seeigel gehören zu den langlebigsten Tieren, haben zwei amerikanische Forscher ermittelt. Bei Kernwaffentests produzierte Kohlenstoff-Isotope in den Kiefern der Tiere belegen demnach, dass zumindest Rote Seeigel problemlos 100 Jahre alt werden. Und für einige Methusalems fängt das Leben in diesem Alter erst richtig an.

"Einige der größten und unserer Meinung nach ältesten Roten Seeigel sind zwischen Vancoucer Island und dem Festland gefunden worden und bis zu 19 Zentimeter groß", sagt Thomas Ebert von der Oregon State University in Corvallis. "Unseren Berechnungen zufolge dürften sie 200 oder mehr Jahre alt sein." Laut dem Biologen bezeugt diese Langlebigkeit, dass Seeigel-Nachwuchs nur sehr selten die Geschlechtsreife erreicht. Umso wichtiger seien die älteren Tiere für den Fortbestand der Art - und müssten entsprechend geschützt werden.

Foto: Richard Strathmann, Friday Harbor Laboratory/Oregon State University

Foto: Richard Strathmann, Friday Harbor Laboratory/Oregon State University

Bereits früher hatte Ebert vermutet, dass Rote Seeigel (Strongylocentrotus franciscanus) ein beträchtliches Alter erreichen können. Er und sein Kollege John Southon vom kalifornischen Lawrence Livermore National Laboratory machten sich nun daran, diese Hypothese zu überprüften. Dazu behandelten sie Seeigel mit Tetracyclin und untersuchten ein Jahr später, wie weit das Skelett seit der Einlagerung des fluoreszierenden Antibiotikums gewachsen war. Daraus bestimmten sie die Wachstumskurve und konnten so anhand der Größe eines Tieres sein Alter abschätzen. Tatsächlich schienen schon mäßig große Tiere über 100 Jahre alt zu sein.

Die Bestätigung lieferten "schwere" Kohlenstoffatome in den sich laufend verlängernden Kiefern der Tiere. Kohlenstoff-14 wurde seit den 50er-Jahren im großen Stil bei Kernwaffentests produziert und gelangte auch in die Ozeane. In jüngeren Abschnitten von Seeigel-Kiefern fanden Ebert und Southon tatsächlich hohe Gehalte von Kohlenstoff-14. Die weitaus längeren, älteren Kieferabschnitte enthielten dagegen nur geringe Mengen des Isotops. Offensichtlich waren sie lange vor Beginn der Kernwaffentests gebildet worden.


Forschung: Thomas A. Ebert, Department of Zoology, Oregon State University, Corvallis; John R. Southon, Center for Accelerator Mass Spectrometry, Lawrence Livermore National Laboratory, Livermore, Kalifornien

Veröffentlicht in US Fishery Bulletin, Vol. 101(4), pp 915-22

WWW:
Seeigel
Aristotle's Lantern

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