6.11.2003, 11:27 Uhr
Voyager 1: Auf dem Sprung
Die Raumsonde Voyager 1 hat als erstes von Menschen gebautes Objekt im letzten Sommer die Grenze des Sonnensystems passiert. Das berichten amerikanische Astronomen im Magazin "Nature". Eine zweite Forschergruppe hält diesen Schluss jedoch für übereilt: Die Daten zeigten, dass die Sonde in einer Entfernung von über 13 Milliarden Kilometern kurz vor dem Übergang in den interstellaren Raum stehe, ihn aber noch nicht erreicht habe.
Bild: JPL/NASA
Stamatios Krimigis von der Johns Hopkins University in Laurel, Maryland, und Kollegen stützen sich auf Daten eines Sondeninstruments, das geladene Teilchen niedriger Energie erfasst. Im Juli 2002 stieg die Dichte dieser Partikel um das 100fache an, berichten die Forscher. Zudem schienen nun gleich viele Partikel von der Sonne und aus dem interstellaren Raum zu kommen. Offenbar habe die 1977 gestartete Sonde endlich jene Stoßfront ("termination shock") erreicht, an der die rasend schnellen Teilchen des Sonnenwindes auf interstellare Materie treffen und abrupt abgebremst werden.
Frank McDonald von der University of Maryland, College Park, und sein Team analysierten Daten über höherenergetische Strahlung. Zwar registrierte das entsprechende Instrument ebenfalls einen Intensitätsanstieg - insbesondere der anomalen kosmischen Strahlung, die ihren Ursprung in den starken Magnetfeldern der Stoßfront haben sollte. Der Anstieg sei jedoch nicht genügend stark, schreiben die Forscher. Und auch die Energieverteilung der Teilchen zeige, dass Voyager 1 höchstens einen "Vorgeschmack" auf die Stoßfront bekommen habe.
"Ich persönlich neige dazu, der Interpretation von Krimigis und Kollegen zuzustimmen, dass die Stoßfront passiert worden ist", kommentiert Len Fisk von der University of Michigan, Ann Arbor, in der gleichen Ausgabe des Magazins. Allerdings schwanke die Lage der Stoßfront mit der Stärke des Sonnenwindes und möglicherweise sei ihre Struktur komplizierter als angenommen. Klarheit sollten weitere Daten von Voyager 1 und ihrer Schwestersonde Voyager 2 bringen - immerhin reiche die Energie der beiden Veteranen noch bis ins Jahr 2020.
Forschung: Stamatios M. Krimigis, Applied Physics Laboratory, Johns Hopkins University, Laurel, Maryland; Frank B. McDonald, Institute for Physical Science and Technology, University of Maryland, College Park; und andere
Veröffentlicht in Nature, Vol. 426, 6. November 2003, pp 45-8 und 48-51
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