28.8.2003, 12:25 Uhr
Klimawandel: Viele Arten sitzen fest
Die globale Erwärmung ist nach Ansicht amerikanischer Zoologen auch nicht mehr das, was sie einmal war. Anders als in der erdgeschichtlichen Vergangenheit könnten viele Arten heute nicht mehr in günstigere Gebiete ausweichen, da ihre Lebensräume stark zerstückelt seien. Als Kronzeugen führen die Forscher Reptilien an, die nach dem Ende der letzten Eiszeit auf Mittelmeer-Inseln in der Falle saßen.
In der Erdgeschichte gab es immer wieder starke und teilweise rasche Klimaveränderungen. Tiere und Pflanzen reagierten darauf, indem sie nach und nach andere geographische Breiten oder Höhenlagen besiedelten. Dieser Überlebensmechanismus könne künftig jedoch nicht mehr greifen, so Johannes Foufopoulos von der University of Michigan in Ann Arbor. "Der Mensch hat die natürlichen Lebensräume derart fragmentiert, dass viele Arten nicht in der Lage sein werden, einem wärmeren Klima auszuweichen."
Foufopoulos und seine Kollegen stützen sich auf Untersuchungen in der Ägäis. Als mit dem Ende der letzten Eiszeit der Spiegel des Mittelmeers stieg, schnitt er viele Landzungen vom Festland ab. Indem die Temperaturen weiter stiegen, verarmte die Reptilienfauna auf den neuen Inseln, fanden die Forscher. Einerseits starben besonders jene Arten aus, die geringe Individuendichten aufweisen, stark spezialisiert oder auf gemäßigte Temperaturen angewiesen sind. Andererseits konnten stärker Wärme liebende Arten nicht die frei gewordenen Nischen besetzen.
Angesichts der gegenwärtigen Erwärmung hätten sehr mobile Arten wie Vögel und Schmetterlinge die besten Überlebenschancen, so Foufopoulos. Tatsächlich beobachten Ornithologen, dass Zugvögel ihre jährlichen Wanderungen immer mehr verschieben oder in Gebieten brüten, die ihnen bislang nur als Raststationen dienten. Beispielsweise Reptilien oder Amphibien seien dagegen - zumindest auf lokaler Ebene - vom Aussterben bedroht, so der Forscher. Bei der Planung von Naturschutzgebieten müsse dies berücksichtig werden.
Forschung: Johannes Foufopoulos, School of Natural Resources and Environment, University of Michigan, Ann Arbor; Marmaduke Kilpatrick und Anthony R. Ives, Department of Zoology; University of Wisonsin, Madison
Präsentation auf dem Meeting of the Ecological Society of America, Savannah, Georgia
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Biodiversity and Climate Change
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