3.9.2003, 13:41 Uhr
Alligatoren haben den meisten Biss

Löwen mögen ein beeindruckendes Gebrüll von sich geben können - in puncto Bissstärke sind sie im Vergleich mit Alligatoren die reinsten Stubentiger. Amerikanische Zoologen haben ermittelt, dass die Echsen ihre Kiefer mit der Gewichtskraft von knapp einer Tonne zuschnappen lassen können - doppelt so stark wie der "König der Tiere".

Vermutlich übertreffen Alligatoren auch so manchen Dinosaurier, glauben Kent Vliet von der University of Florida, Gainesville, und seine Kollegen. Sie entwickelten einen Biss-Messer, rein äußerlich an eine überdimensionale Stimmgabel erinnernd, den sie Amerikanischen Alligatoren (Alligator mississippiensis) vor das Maul hielten. "Der härteste Teil der Arbeit war, die Beißstangen zurück zu bekommen", erinnert sich der Forscher.

Auf einer Alligatoren-Farm testeten Vliet und seine Kollegen die Bisskraft von 40 unterschiedlich großen Exemplaren, vom kaum armlangen Jungtier bis zu einem Männchen von über 3,5 Metern Länge. Erwartungsgemäß entwickelte dieser 300 Kilogramm schwere Riese mit Namen "Hercules" die größte Kieferkraft: Bis zu 9452 Newton, entsprechend der Gewichtskraft von 960 Kilogramm, musste die mit Leder ummantelte Beißgabel des Messgerätes aushalten. Häufig hätten die Tiere die Stangen erst nach 20 Minuten wieder freigegeben, so Vliet. "Dabei ist das eine sensible Ausrüstung. Wir wollten wirklich nicht, dass sie sich damit aus dem Staub machten."

Hercules und seine Argenossen legen mehr Kraft in ihren Biss als alle anderen bislang vermessenen Tierarten, schreiben die Forscher im "Journal of Zoology". Löwen brächten es auf eine rund 420 Kilogramm entsprechende Kraft, Hyänen sogar auf 450 Kilogramm. Der einzige Messung bei einem Hai, einem Düsteren Hai, habe 150 Kilogramm ergeben, Menschen schafften 77 Kilogramm und Labradore lediglich 60 Kilogramm.

Tyrannosaurus rex habe vermutlich bis zu 1,5 Tonnen in seinen Biss gelegt, schätzt Vliet, kleinere Theropoden seien wohl nicht über 200 Kilogramm gekommen. "Vertreter der Ordnung Krokodile, wie etwa der Alligator, sind die nächsten lebenden Verwandten der Dinosaurier", erläutert sein Kollege Greg Erickson von der Florida State University in Tallahassee. "Ihre Kiefer, Zähne und Muskeln sind ein exzellentes Modell für die Biomechanik der Ernährung bei diesen ausgestorbenen Bestien."


Forschung: Gregory M. Erickson, Department of Biological Science, Florida State University, Tallahassee; A. Kristopher Lappin, Department of Biological Sciences, Northern Arizona University, Flagstaff; Kent A. Vliet, Department of Zoology, University of Florida, Gainesville

Veröffentlicht in Journal of Zoology, Vol. 260, pp 317-27

WWW:
Alligator mississippiensis

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