31.10.2003, 15:41 Uhr
Forscher: Japanisches Schiffwrack belegt amerikanisches Seebeben
Geologen vermuten seit langem, dass sich im Jahr 1700 vor der Nordwest-Küste der USA ein schweres Seebeben ereignete. Das Zentrum des Bebens soll unweit der Küste des Bundesstaates Washington gelegen haben, doch Belege sind nicht überliefert. Hinweise könnte jetzt ein Schiffswrack vor der japanischen Küste geben. Nach Meinung eines US-Forschers sank das Schiff, weil infolge des Seebebens riesige Wellen über den Pazifik rasten.
Wie aus japanischen Überlieferungen hervorgeht, wurde Honshu, eine der vier Hauptinseln Japans, am 28. Januar 1700 von einem Tsunami heimgesucht. Den Wellen, die Küstendörfer zerstörten, war kein warnendes Erdbeben voraus gegangen. Der Bebenherd könne weit entfernt auf der anderen Seite des Pazifiks gelegen haben, schätzt Brian Atwater, Geologe an der University of Washington. Die Wellen waren immerhin noch drei Meter hoch, als sie die japanischen Dörfer erreichten.
Neben der schriftlichen Überlieferung belege auch ein Schiffswrack den Tsunami, erklärte Atwater jetzt auf dem Jahreskongress der "Geological Society of America" in Seattle. Das Schiff war am 26. Januar 1700 mit 420 Ballen Reis beladen von Tokio aus in See gestochen. Seinen zwei Tagesreisen entfernt liegenden Zielhafen Nakaminato auf der Insel Honshu sollte es nicht mehr erreichen.
Weil am Morgen des 28. Januar ein Unwetter aufzog, erschien es dem Kapitän zu gefährlich, die schmale Flussmündung nach Nakaminato hinauf zu fahren. Er wollte sein Schiff vor der Küste halten, bis das Unwetter abgezogen war. Der Tsunami aber, der zeitgleich mit dem Unwetter heran rollte, schleuderte das Schiff gegen die felsige Küste. Zwei Matrosen starben, die Ladung ging verloren.
Atwater errechnete aus den japanischen Quellen, dass das Seebeben eine Stärke von 9,0 auf der Richter-Skala erreicht haben müsste, wenn sein Ursprung vor der amerikanischen Küste gelegen haben sollte. Eine fast tausend Kilometer lange Randzone der nordamerikanischen Platte habe sich tief im Nordost-Pazifik an der kleinen, aber schweren Juan de Fuca-Platte gerieben, meint Atwater.
Das Beben habe sich mit einer Kraft entladen, die dem monatlichen Energiebedarf der gesamten USA entspreche. Ein schwerer Hurrikan müsse vergleichsweise 70 Tage lang wüten, um die gleiche Energie wie ein Beben der Stärke 9 zu erzeugen.
Forschung: Brian Atwater, Quaternary Research Center, University of Washington
Tsunami-Seite (deutsch)
Tsunami-Seite (englisch)
Quaternary Research Center
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