3.11.2003, 13:30 Uhr
Was Lymphknoten schwellen lässt

Halsschmerzen und Schluckbeschwerden, verursacht durch geschwollene Lymphknoten, sind häufige Begleiter einer Erkältung. Was das Anschwellen des Gewebes bewirkt, haben amerikanische Mediziner nun herausgefunden. Ursache sind demnach Mastzellen, die unter der Körperoberfläche auf Fremdstoffe und Krankheitserreger lauern.

Nach entsprechender Reizung schütten Mastzellen große Mengen von Botenstoffen aus. Aufgrund ihrer Beteilung an allergischen Reaktionen und Autoimmun-Erkrankungen haben sie einen eher zweifelhaften Ruf. Laut Soman Abraham und seinen Kollegen von der Duke University in Durham, North Carolina, zeigen die neuen Resultate jedoch, "dass diese potenten sekretorischen Zellen als wichtige 'Außenposten' des Immunsystems fungieren und in der Lage sind, alle Aspekte der Immunantwort einzuleiten und zu regulieren."

Die Forscher spritzten Mäusen Bakterien in die Fußballen und führten so den Einstrom von Immunzellen in die benachbarten Lymphknoten herbei. Gewebeanalysen zeigten, dass die Mastzellen unter der Sohlenhaut binnen Minuten ihre Botenstoff-Speicher entleert hatten. Offenbar bewirkten diese Botenstoffe, ganz besonders der so genannte Tumornekrosefaktor (TNF), die Rekrutierung der Abwehrzellen. Bei Mäusen ohne Mastzellen blieb der Prozess aus, berichtet die Gruppe im Fachblatt "Nature Immunology". Nach Gabe von Mastzellen oder TNF kam es jedoch auch hier zum Anschwellen der Lymphknoten.

Möglicherweise könnten Mastzellen sogar zum Verbündeten im Kampf gegen Viren und Bakterien werden, so Abraham gegenüber der Online-Ausgabe von "Nature". Und vielleicht könnte die Gabe von TNF die Effektivität von Impfungen erhöhen.


Forschung: James B. McLachlan und Soman N. Abraham, Department of Pathology, Duke University Medical Center, Durham, North Carolina; und andere

Online-Veröffentlichung Nature Immunology, 2. November 2003, DOI 10.1038/ni1005

WWW:
Soman Abraham
Immunsystem - Funktionen und Fehlfunktionen
Abwehr auf Abwegen

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