30.10.2003, 20:54 Uhr
Ötzi war in Südtirol heimisch

Der Eismann Ötzi, der im Jahr 1991 als Mumie in einem Gletscher der italienisch-österreichischen Grenzregion gefunden wurde, war im heutigen Südtirol heimisch. Er hat diese Region wohl nie verlassen. Das lassen Isotopenmessungen von Proben seiner Zähne, der Knochen und des Darms vermuten. Ötzi lebte in einem etwa 60 Kilometer südöstlich seiner Fundstelle gelegenen Tal, berichtet ein Team australischer, amerikanischer und schweizer Forscher im Magazin "Science".

Der 5.200 Jahre alte Eismann wurde unter Leitung von Wolfgang Müller von der Australian National University untersucht. "Wir können sicher sagen, dass der Eismann in seiner angestammten Region starb - nämlich in der Region des heutigen Südtirols/Alto Adige. Hier hatte er sich offenbar niedergelassen. Dies lässt den Schluss zu, dass auch viele andere Menschen dort gelebt haben müssen", sagt Müller. Er meint, die Alpentäler Zentraleuropas seien im Spätneolithikum vor über 5.000 Jahren bereits dauerhaft bewohnt gewesen.

Foto: Photo Archives South Tyrol Museum of Archaeology

Foto: Photo Archives South Tyrol Museum of Archaeology



Anhand von Zähnen, Knochen und Darmgewebe konnten die Forscher das Leben des Eismannes fast lückenlos nachzeichnen. Die Zähne sagen viel über die frühe Kindheit aus. Die Knochen dagegen werden kontinuierlich umgebaut und zeigen daher in ihrer Zusammensetzung die letzten 10 bis 20 Lebensjahre auf. Der Darm schließlich gibt Hinweise auf die letzten Mahlzeiten Ötzis, der mit 46 Jahren starb.

"Wir können die Zusammensetzung der Erde und des Gesteins, auf denen die Nahrung des Mannes gewachsen ist, aufgrund zweier Arten von Isotopen rekonstruieren", erklärt Müller. "Es handelt sich dabei um Strontium und Blei, welche wir in den eingelagerten Spurenelementen seiner Überreste fanden. Dies ist deshalb von Bedeutung, weil wir in dieser Region verschiedene, isotopisch unterschiedliche Gesteinsarten gefunden haben."

"Zudem ermöglichen Sauerstoffisotope eine Rekonstruktion der Zusammensetzung des vom Eismann eingenommenen Wassers. Da die isotopische Zusammensetzung von Regenwasser von dessen Herkunft und vom Umstand abhängt, wie weit eine Wolke über das Festland zieht, bevor Regen fällt, sind die Regenwasserisotope nördlich und südlich der Fundstelle grundlegend verschieden. Wir können deshalb annehmen, dass der Eismann sein ganzes Leben südlich der Alpen verbracht hat."


Forschung: Wolfgang Müller, Malcom T. McCulloch, Australian National University, Canberra; Henry Fricke, Colorado College, Colorado Springs, CO; Alex N. Halliday, ETH Zürich; Jo-Anne Wartho, Curtin University of Technology, Perth; in "Science" Vol. 302, 31.10.2003, pp 862-866

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