28.10.2003, 12:47 Uhr
Musiker haben mehr im Kopf

Musiker haben mehr im Kopf - zumindest in bestimmten Gehirnregionen. Das berichtet ein deutsch-amerikanisches Forscherduo im "Journal of Neuroscience". In den für Hören, Sehen und Bewegungen zuständigen Arealen besitzen Musiker demnach mehr graue Substanz. Weitere Untersuchungen sollen nun zeigen, in welchem Maß diese Unterschiede angeboren oder antrainiert sind.

"Musiker sind beliebte Forschungsobjekte von Hirnforschern", so Christian Gaser von der Universität Jena. Musizieren stelle hohe Anforderungen an das Gehirn, zudem beginne die Ausbildung meist im frühen Kindesalter. Bislang habe man sich meist auf ausgewählte Hirnareale konzentriert. "In der von uns vorgelegten Studie haben wir jedoch erstmals im gesamten Gehirn nach Unterschieden zwischen Musikern, Amateuren und Nichtmusikern gesucht."

Bild: Christian Gaser/Uni Jena

Wo Musiker und Nichtmusiker sich unterscheiden. Bild: Christian Gaser/Uni Jena

Gaser und sein Kollege Gottfried Schlaug von der Bostoner Harvard University nutzten die Magnetresonanztomographie (MRT), um die Gehirne ihrer Probanden zu vermessen. Eine neuartige Analysemethode enthüllte Volumenunterschiede in der grauen Substanz bestimmter Areale, die zudem mit der Intensität des musikalischen Trainings variierten. Die graue Substanz des Gehirns besteht hauptsächlich aus den Zellkörpern von Nervenzellen, die weiße Substanz dagegen aus deren Fortsätzen.

Veränderungen des Gehirns im Laufe der Zeit lassen sich mit einer weiteren, von Gaser entwickelten Methode studieren. "Damit wollen wir nun endgültig klären, ob die Hirnstrukturen der Musiker von Geburt an anders sind und sie deshalb Musiker werden können oder ob sich die Unterschiede in den Hirnstrukturen erst durch das stete Training entwickeln", so der Forscher. Eine entsprechende Studie mit amerikanischen Schulkindern sei bereits im Gange.


Forschung: Christian Gaser und Gottfried Schlaug, Department of Neurology, Beth Israel Deaconess Medical Center, Harvard Medical School, Boston, und Klinik für Psychiatrie, Universität Jena

Veröffentlicht in Journal of Neuroscience, Vol. 23(27), pp 9240-5

WWW:
Klinik für Psychiatrie, Uni Jena
International Foundation for Music Research

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