8.10.2003, 20:19 Uhr
Waldbrände setzen Quecksilber frei
Große Waldbrände in Kanada lassen die Quecksilber-Belastung im Nordosten der Vereinigten Staaten ansteigen. Das haben amerikanische Forstwissenschaftler nachgewiesen. Ihren Schätzungen zufolge könnten bei Bränden in borealen Nadelwäldern jährlich viele Tonnen des giftigen Schwermetalls in die Atmosphäre gelangen.
Boreale Nadelwälder, auch als Taiga bekannt, erstrecken sich entlang des nördlichen Polarkreises und machen etwa ein Drittel der gesamten Waldfläche der Erde aus. Sporadisch kann es in diesen Wäldern zu großen Bränden kommen, so geschehen im Sommer letzten Jahres in der kanadischen Provinz Quebec. Zeitgleich führten Jeffrey Singer von der Yale University und seine Kollegen Messungen im US-Bundesstaat Massachusetts durch, rund 800 Kilometer weiter südlich gelegen.
Wie die Forscher im Fachblatt "Environmental Science & Technology" berichten, machte sich die Rauchwolke des Waldbrandes nicht nur durch erhöhte Kohlenmonoxid-Konzentrationen bemerkbar. Auch der Quecksilber-Gehalt der Luft stieg deutlich an. Aufgrund der Messwerte und anhand von Modellrechnungen schätzen Singer und Kollegen, dass allein die borealen Nadelwälder Kanadas jährlich 3,5 Tonnen Quecksilber an die Atmosphäre abgeben, wenn lebendes und abgestorbenes Pflanzenmaterial in Rauch aufgeht.
Laut Singer entspricht diese Menge einem Drittel jener Quecksilber-Emissionen Kanadas, die auf menschliche Aktivitäten wie etwa die Kohleverbrennung zurückgehen. "In einem Jahr mit sehr starken Bränden könnten es bis zu 100 Prozent sein", so der Forscher. Er und seine Kollegen schätzen den weltweiten Quecksilber-Ausstoß borealer Waldbrände sogar auf 22,5 Tonnen. Das Metall könne mehrere Jahre in der Atmosphäre verbleiben, erläutert Singer. "Das primäre Gesundheitsrisiko für Menschen geht vom Fischverzehr aus. Allerdings stammt der Großteil des Quecksilbers im Fisch letzten Endes aus der Atmosphäre."
Forschung: Jeffrey Sigler, School of Forestry & Environmental Studies, Yale University, New Haven, Connecticut; und andere
Veröffentlicht in Environmental Science & Technology, Vol. 37(19), pp 4343-7
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