9.10.2003, 11:23 Uhr
Mehr Kontrast: Fledermäuse sehen Breitband

Dank eines einzigartigen Mechanismus können einige Fledermäuse auch ultraviolettes Licht sehen. Das hat eine deutsch-guatemaltekische Forschergruppe entdeckt. Zwar weisen die Augen der Tiere nur einen Typ von Lichtrezeptoren auf, dieser funktioniert jedoch über einen breiten Bereich von Wellenlängen. Vermutlich können die Flattertiere Nektarquellen im nächtlichen Regenwald auf diese Weise besser ausmachen.

Viele Fische, Reptilien, Vögel und Insekten können ultraviolettes Licht sehen. Nicht so die meisten Säugetiere. "Im Laufe ihrer Entwicklung haben die Plazentalier, die zusammen mit den Beuteltieren die Gruppe der Säuger bilden, die bei anderen Wirbeltieren noch vorhandene Anpassung an das UV-Sehen verloren", erläutert York Winter von der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Winters Labortier ist die Langzungenfledermaus Glossophaga soricina. Ähnlich Kolibris kann der kleine Säuger förmlich in der Luft stehen und Nektar aus Blüten lecken. Diese sind mitunter violett gefärbt und reflektieren UV-Licht. Damit passen sie gut zu dem Sehsystem ihrer Bestäuber, stellten Winter und seine Kollegen fest, indem sie Fledermäusen unterschiedlich gefärbte Kunstblüten anboten. Zwar sind die Tiere farbenblind, da sie nur ein Sehpigment besitzen. Dieses arbeitet jedoch sowohl im ultravioletten als auch im grünen Bereich des Lichtspektrums, berichten die Forscher im Fachmagazin "Nature".

Einige Nager können dank eines speziellen Lichtrezeptors ebenfalls UV-Licht sehen. Nach Ansicht der Forscher nutzen die Fledermäuse dagegen aus, dass auch das "normale" Sehpigment der als Stäbchen bezeichneten Hell-Dunkel-Rezeptoren UV-Licht absorbieren kann. Normalerweise werde dieser Lichtanteil durch Hornhaut, Linse und Glaskörper geschluckt. "Eine Ausnahme sind aphakische Menschen - Personen, denen die Linsen chirurgisch entfernt worden sind", schreiben Winter und seine Kollegen. Bemerkenswerterweise zeigten diese Menschen im Dämmerlicht eine ähnliche spektrale Empfindlichkeit wie die Nektar schleckenden Langzungen.


Forschung: York Winter, Department Biologie II, Ludwig-Maximilians-Universität München; Jorge López, Escuela de Biologia, Univderidad de San Carlos de Guatemala; Otto von Helversen, Zoologisches Institut, Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg-Erlangen

Veröffentlicht in Nature, Vol. 425, 9. Oktober 2003, pp 612-4

WWW:
Arbeitsgruppe Winter
Glossophaga soricina
... Bild
Stäbchen und Zapfen

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