7.10.2003, 18:49 Uhr
Löcher im Eis - Paradiese für Pinguine

Nicht nur in Sandwüsten, auch in der Antarktis ist offenes Wasser ein Segen. Wie stark Lücken im antarktischen Meereis Flora und Fauna beeinflussen, haben zwei amerikanische Geowissenschaftler am Beispiel von Pinguinen ermittelt. Schwankungen der Populationsgrößen lassen sich demnach größtenteils durch die Photosynthese in den "Eislöchern" erklären - so genannten Polynyas.

"Niemand hatte eine Vorstellung davon, wie eng die Pinguin-Populationen an die Produktivität in diesen Polynyas gekoppelt sind", sagt Kevin Arrigo von der kalifornischen Stanford University. "Jede Veränderung der Produktion in Polynyas dürfte dramatische Veränderungen des Bestandes von Pinguinen und anderen großen Organismen haben."

Eisfrei, Spaß dabei. Bild: NOAA Corps Collection

Arrigo und sein Kollege Gert van Dijken nutzten Satellitendaten, um über fünf Jahre die Ausdehnung von antarktischen Polynyas und die Temperaturen und Chlorophyll-Konzentrationen darin zu studieren. Die Eislücken entstehen meist dort, wo starke Winde das Meereis von der Küste wegtreiben oder der Eisstrom vom Land ins Stocken gerät. Indem das Sonnenlicht nun ungehindert in das nährstoffreiche Wasser fällt, können Algen und die folgenden Glieder der Nahrungsketten wie Krill, Fisch, Meeressäuger und -vögel aus dem Vollen schöpfen.

Das gilt besonders für Adéliepinguine (Pygoscelis adeliae), fanden die Forscher. In der östlichen Antarktis lägen 91 Prozent aller Pinguin-Kolonien in der Nähe von Küsten-Polynyas. Die jährlich in diesen Eislöchern produzierte Biomasse könne 65 Prozent der Schwankungen des Koloniegrößen erklären, schreiben Arrigo und van Dijken im "Journal of Geophysical Research". Zwar hätten die meisten Polynyas selbst im antarktischen Sommer eine Fläche von 20.000 Quadratkilometern nicht überschritten. Durch die Photosynthese dürften in allen Polynyas zusammen alljährlich jedoch mehrere Millionen Tonnen Kohlenstoff gebunden werden.


Bild: NOAA Corps Collection


Forschung: Kevin R. Arrigo und Gert L. van Dijken, Department of Geophysics, Stanford University, Kalifornien

Veröffentlicht in Journal of Geophysical Research - Oceans, Vol. 108, DOI 10.1029/2002JC001739

WWW:
Homepage Kevin Arrigo
Adéliepinguine
Eistour, AWI Bremerhaven

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