7.10.2003, 20:53 Uhr
Alternativen zu giftigen Schiffsanstrichen getestet

Hochseeschiffe werden in der Regel mit giftigen Anstrichen versehen, um einen Bewuchs durch Algen und Meeresorganismen zu verhindern. In den meisten Fällen könnte auf die umweltschädlichen Gifte zugunsten alternativer Beschichtungen verzichtet werden. Das geht aus einer Langzeitstudie hervor, die die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) und der WWF Deutschland jetzt vorgelegt haben.

Für die Untersuchung wurden zwischen 1998 und 2003 insgesamt 117 Beschichtungen auf 20 Schiffen getestet. Beteiligt waren das Hamburger Forschungsinstitut LimnoMar, die Forschungsstelle Küste sowie die Umwelt- und Gesundheitsbehörde Hamburg gemeinsam mit Schiffseignern und Farbfirmen. Der von WWF koordinierte und von der DBU geförderte Großversuch gehöre zu den ausführlichsten unabhängigen Studien weltweit, sagen die beiden Organisationen.

Demnach haben sich für schnell fahrende Schiffe Silikonanstriche bewährt, die nach dem Vorbild des Delfins mit einer gelartigen Oberfläche Algen und Seepocken abwehren. Langsame Schiffe können auf Mikrofaserbeschichtungen setzen, deren Fasern den feinen Härchen von Robbenfellen ähneln. Weil sie ständig gegeneinander reiben, können sich keine unerwünschten Meeresbewohner festsetzen.

"Jetzt gibt es keine Ausreden mehr, weiterhin Organozinnverbindungen wie Tributylzinn (TBT) und andere problematische Biozide wie Kupferoxid zu verwenden", meint Peter Prokosch, Geschäftsführer von WWF Deutschland. "Seit Juli 2003 ist in Deutschland zumindest TBT für Schiffsanstriche verboten. Unser Projekt geht noch einen guten Schritt weiter, denn wir zeigen, dass es ungiftige Alternativen gibt, die weltweit eingesetzt werden könnten."

Die Autoren der Studie fordern, für jedes spezielle Einsatzgebiet müsse ein Kriterienkatalog zur Auswahl der unterschiedlichen Farben entwickelt werden. Zudem enthielten alle Farben auch chemische Bestandteile wie Weichmacher und Bindemittel. Deren Umweltverträglichkeit müsse noch auf ihr Langzeitverhalten untersucht und bewertet werden. Erste Ansätze hierzu würden derzeit in einem Projekt des Umweltbundesamts verfolgt.


Forschung: LimnoMar, Hamburg

WWF-Infos als Kurzfassung
Homepage LimnoMar Forschungsinstitut
Die Studie als PDF-Datei (in englisch)

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.


Werbung: