9.9.2003, 18:29 Uhr
Zellulärer "Weichmacher" fördert Metastasenbildung

Ein körpereigenes Lipid fördert offenbar die Bildung von Krebs-Metastasen. Darauf deuten Beobachtungen hin, über die eine internationale Forschergruppe im Fachblatt "Nature Cell Biology" berichtet. Kommen Krebszellen in Kontakt mit dem Molekül, verlieren sie gleichsam an Rückgrat und können sich nun leichter durch engste Spalten im Gewebe quetschen.

Wird ein Tumor nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann er entartete Zellen "ausstreuen", die wiederum Metastasen in anderen Teilen des Körpers bilden. Warum und auf welche Weise sich normalerweise standorttreue Zellen aus ihrem Gewebeverband lösen, ist trotz der verheerenden Folgen immer noch nicht vollständig geklärt. Ein neues Teil dieses komplizierten Puzzles haben die Forscher um Thomas Seufferlein von der Universität Ulm und Joachim Spatz von der Universität Heidelberg nun entdeckt.

Die Wissenschaftler gaben ein Lipid namens Sphingosylphosphorylcholin, kurz SPC, zu Kulturen menschlicher Tumorzellen. Das Molekül kommt auch unter normalen Umständen im Blut vor, bei Patienten mit Tumoren jedoch in erhöhter Konzentration. Als Folge stellten sich Veränderungen am Skelett der Tumorzellen ein: Eine Komponente des Zytoskeletts, Filamente aus dem Protein Keratin, wurde durch das Lipid völlig neu organisiert. Gleichzeitig wurden die Zellen elastischer und leichter verformbar.

Dieser "Weichmacher-Effekt" tritt binnen weniger Minuten ein, berichten Seufferlein, Spatz und ihre Kollegen. Tumorzellen aus Karzinomen der Bauchspeicheldrüse und des Magens konnten sich nun deutlich leichter durch enge Poren quetschen, die kleiner als sie selbst waren. Da sich entartete Zellen auf ihrer Wanderung durch Epithelien, Bindegewebe und Wände von Blutgefäßen zwängen müssen, könnte das SPC die Metastasierung fördern.


Forschung: Thomas Seufferlein, Abteilung Innere Medizin I, Universität Ulm; Joachim Spatz, Abteilung Physikalische Chemie, Universität Heidelber; und andere

Veröffentlicht in Nature Cell Biology, Vol. 5(9), September 2003, pp 803-11

WWW:
Krebsinformationsdienst des DKFZ Heidelberg
- Invasion und Metastasierung

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