21.8.2003, 11:38 Uhr
Rätsel um Malaria-Mittel gelöst
Seit Jahrhunderten wird in China ein Beifuß-Gewächs gegen Malaria eingesetzt. Erst jetzt haben britische und japanische Forscher herausgefunden, wie der verantwortliche Inhaltsstoff des Krauts seine Wirkung entfaltet. Demnach tötet die Substanz die Parasiten, indem sie eines ihrer Proteine blockiert. Die Resultate könnten zur Entwicklung noch effektiverer Malaria-Mittel führen, wie sie angesichts zunehmender Resistenzen gegen herkömmliche Wirkstoffe dringend benötigt werden.
Aus dem einjährigen Beifuß (Artemisia annua) gewonnen, spielen das Artemisinin und seine Abkömmlinge auch in der westlichen Medizin seit einigen Jahren eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung der Malaria. Jährlich erkranken schätzungsweise bis zu 500 Millionen Menschen an der Krankheit, über eine Million sterben an der Infektion mit den einzelligen Parasiten der Gattung Plasmodium.
Artemisinin enthält eine Art Brücke aus zwei Sauerstoffatomen. Bislang nahm man an, dass diese chemisch brisante Peroxid-Brücke im Innern der Parasiten gespalten wird und daraufhin große Mengen freier Radikale produziert. Die Forscher um Sanjeev Krishna von der Londoner St. George's Hospital Medical School glauben nun, dass dieser "Streubomben-Effekt" eine untergeordnete Rolle spielt. Ihre Experimente lassen vielmehr vermuten, dass sich der Wirkstoff an ein wichtiges Protein der Erreger anlagert und so dessen Funktion hemmt. Bei dem Protein handelt es sich um eine Calcium-Pumpe mit der Bezeichnung PfATP6.
Den Anstoß zu den Untersuchungen gab die Beobachtung, dass Artemisinin einem bekannten Hemmstoff anderer Calcium-Pumpen ähnelt. Unter anderem schleusten die Forscher das PfATP6-Gen in Eizellen von Krallenfröschen ein. Die Vermessung dieser großen Zellen bestätigte, dass Artemisinin die Funktion des Proteins blockiert. Experimente mit infizierten roten Blutkörperchen zeigten zudem, dass der Wirkstoff im Zellplasma der Plasmodium-Parasiten seine Wirkung entfaltet. Bislang war man davon ausgegangen, dass er in die Nahrungsvakuole der Erreger - gewissermaßen deren Darm - transportiert und dort durch Eisen aus verdautem Hämoglobin aktiviert wird.
Forschung: Sanjeev A. Krishna, Department of Cellular and Molecular Medicine, St. George's Hospital Medical School, London; und andere
Veröffentlicht in Nature, Vol. 424, 21. August 2003, pp 957-61 und 888-9
WWW:
Malaria-Portal der WHO
Chemotherapy of Malaria
Über Artemisinin
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