19.8.2003, 11:33 Uhr
Kleidung erst seit 70.000 Jahren

Parasiten sind von jeher treue Begleiter des Menschen und haben sich seinen Lebensumständen angepasst. Leipziger Genetiker haben diesen Umstand nun genutzt, um mehr über die Gewohnheiten der frühen Menschen zu erfahren. Aus dem Vergleich verschiedener Läuse schließen sie, dass das Tragen von Kleidung erst vor etwa 72.000 Jahren in Mode kam - plus/minus 42.000 Jahre.

Die Resultate lassen vermuten, "dass Kleidung eine überraschend junge Erfindung ist und mit der Ausbreitung der frühen Menschen aus Afrika in kühlere Regionen zusammenhängt", schreiben die Forscher um Mark Stoneking vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie im Fachblatt "Current Biology". Diese Schlussfolgerung stehe im Einklang mit archäologischen Befunden: Nadeln und ähnliche Fundstücke seien höchstens 40.000 Jahre alt.

Stoneking und seine Kollegen sequenzierten Gene von 26 Kopf- und 14 Kleiderläusen (Pediculus humanis capitis bzw. P.h. corporis) aus verschiedenen geographischen Regionen. Erstere leben ausschließlich auf der Kopfhaut, während letztere sich in Kleidungsstücken einnisten. "Diese ökologische Differenzierung erfolgte möglicherweise, als der Mensch immer mehr zum Tragen von Kleidung überging", so die Forscher.

Anhand der Unterschiede in den Läuse-Genen konstruierten die Genetiker einen Stammbaum, demzufolge sich die Kleiderlaus aus der Kopflaus entwickelt hat - entsprechend den Erwartungen. Um diese Aufspaltung zu datieren, verglichen sie zusätzlich die Kopflaus und eine Schimpansenlaus. Die zwei Arten sollten sich vor rund 5,5 Millionen Jahren mit der Trennung von Mensch und Schimpanse entwickelt haben. Anhand der seitdem aufgetretenen Unterschiede schätzten die Forscher ab, wie schnell die molekulare Uhr der Laus-Gene tickt.


Forschung: Ralf Kittler, Manfred Kayser und Mark Stoneking, Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie, Leipzig

Veröffentlicht in Current Biology, Vol 13, 19. August 2003, 1414-17

WWW:
Läuse
MPI für evolutionäre Anthropologie

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