22.8.2003, 12:55 Uhr
Esskultur hält Franzosen gesund

Wein und seine Inhaltsstoffe werden dafür verantwortlich gemacht, dass Franzosen scheinbar gegen die negativen Folgen fettreicher Ernährung gefeit sind. Eine amerikanisch-französische Feldstudie in Restaurants und Supermärkten auf beiden Seiten des Atlantiks bringt nun einen weiteren Faktor ins Spiel: Offenbar essen die Franzosen schlicht weniger, das jedoch mit mehr Hingabe.

"Die Ironie ist: Obwohl die Franzosen weniger essen als Amerikaner, scheinen sie dafür länger zu benötigen und haben ein stärkeres Ess-Erlebnis", schreiben Paul Rozin von der University of Pennsylvania, Philadelphia, und seine Kollegen im Fachblatt "Psychological Science". Insgesamt nehme man in Frankreich daher weniger Kalorien zu sich, was den hohen Fettgehalt der Nahrung mehr als ausgleiche.

Trotz Buttercroissants, Brie, Olivenöl und anderen Köstlichkeiten sind nur 7 Prozent der Franzosen übergewichtig, verglichen mit 22 Prozent der US-Amerikaner. Zudem sind Erkrankungen der Herzkranzgefäße bei ihnen deutlich seltener. Dieses "Französische Paradoxon" wird meist mit dem höheren Weinkonsum in Frankreich erklärt. Demnach wirken Inhaltsstoffe der Weintrauben Entzündungen und Blutgerinnseln entgegen und halten so die Gefäße offen.

Rozin und seine Kollegen verglichen nun die Portionsgrößen in 11 Paaren von Fast-Food-Filialen, Pizzerien, Eiscafés und anderen Restaurants beiderseits des Atlantiks. Während eine Portion in Paris im Schnitt 277 Gramm wog, kamen in Philadelphia durchschnittlich 346 Gramm auf den Teller. Doch selbst im McDonald's ließen sich die Franzosen mehr Zeit mit dem Essen. Auch lobten Reiseführer über Paris Restaurants deutlich seltener für große Portionen als solche über Philadelphia - wenn sie die Portionsgrößen überhaupt erwähnten.

Eine Einkaufstour durch die örtlichen Supermärkte rundete das Bild ab. In Philadelphia fielen 14 von 17 Ernährungsprodukten - darunter Schokoriegel, Softdrinks, Hot Dogs und Joghurt - bis zu 80 Prozent größer aus als in Paris.


Forschung: Paul Rozin, Department of Psychology, University of Pennsylvania, Philadelphia; Christy Shields, CNRS, Paris; und andere

Veröffentlicht in Psychological Science, Vol. 14(5), September 2003, pp 450-4

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Ein Gläschen in Ehren...
Plant Polyphenols: Old Wine in New Bottles

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