20.8.2003, 12:13 Uhr
Östrogene verknüpfen Übergewicht und Brustkrebs

Frauen mit Übergewicht weisen ein höheres Risiko für Brustkrebs nach den Wechseljahren auf. Eine internationale Forschergruppe hat nun Hinweise dafür gefunden, dass weibliche Geschlechtshormone aus der Gruppe der Östrogene die Verbindung zwischen Gewicht und Krebs schaffen. Ihre Resultate präsentieren die Mediziner im "Journal of the National Cancer Institute".

"Dies ist ein Beispiel für einen Risikofaktor, den Frauen kontrollieren können", sagt Joanne Dorgan vom Fox Chase Cancer Center in Philadelphia, Pennsylvania. Der Effekt sei umso wichtiger, als Übergewicht weit verbreitet sei und immer stärker um sich greife. "Übergewicht erhöht das Risiko für andere Krankheiten wie Herzerkrankungen und Diabetes", so die Medizinerin. "Frauen sollten wissen, dass Brustkrebs ebenfalls zu dieser unheilvollen Liste gehört."

Dorgan und ihre Kollegen verfolgten den Werdegang von über 2.200 US-amerikanischen, britischen, italienischen und japanischen Frauen nach den Wechseljahren. Zwei bis zwölf Jahre nach Beginn der Untersuchungen erkrankten 624 Teilnehmerinnen an Brustkrebs, übergewichtige Frauen waren häufiger betroffen. Vermittelt wurde dieser Effekt offenbar durch Östrogene und andere Geschlechtshormone, zeigte die Analyse von Blutproben aus der Zeit vor der Diagnose: Wurden die Hormonspiegel bei der Risikobewertung berücksichtigt, verschwand der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebsrisiko fast vollständig.

"Unsere Resultate lassen vermuten, dass Übergewicht das Risiko für Brustkrebs nach den Wechseljahren erhöht, indem es zu höheren Serumspiegeln von Östrogenen führt", erläutert Dorgan. Die meisten anderen der bekannten Risikofaktoren seien genetisch bedingt bzw. schwerlich gezielt beeinflussbar, etwa Zeitpunkt von erster Regelblutung und eventueller Schwangerschaften sowie der Eintritt in die Wechseljahre.


Forschung: Joanne F. Dorgan, Fox Chase Cancer Center, Philadelphia, Pennsylvania, Timothy J. Key, Cancer Research U.K., Radcliffe Infirmary, University of Oxford, und andere, Endogenous Hormones Breast Cancer Collaborative Group

Veröffentlicht in Journal of the National Cancer Institute, Vol. 95(16), 20. August 2003, pp 1218-26

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Krebsinformationsdienst des DKFZ Heidelberg
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