24.11.2003, 13:25 Uhr
Genetisches Zeugnis: Von Mensch und Milchvieh

Die Milchviehhaltung hat ihre Spuren nicht nur im menschlichen Genom hinterlassen, sondern auch im Genom der Rinder selbst. Neue Einsichten in die enge Verbindung zwischen Rind und Mensch stellt eine europäische Forschergruppe im Fachblatt "Nature Genetics" vor. Die Gene für die wichtigsten Milchproteine sind demnach bei Rinderrassen im nördlichen Mitteleuropa besonders variantenreich - in jener Region, in der besonders viele Menschen noch im Erwachsenenalter Milchzucker verdauen können.

Die Resultate "spiegeln das Ausmaß wieder, in dem die Domestikation menschliche Gesellschaften und die Genome von Mensch und Rind geprägt hat", schreiben die Forscher um Albano Beja-Pereira von der Université Joseph Fourier in Grenoble und Georg Erhardt von der Justus-Liebig-Universität Gießen. Zudem zeigten sie, dass die Rinder Mitteleuropas eine wertvolle genetische Ressource darstellten.

Die Gruppe sequenzierte die Gene für die sechs wichtigsten Milchproteine bei knapp 20.000 Tieren aus 70 europäischen und kleinasiatischen Rinderrassen. Die höchste genetische Vielfalt fanden sie bei Zuchtlinien aus Dänemark, Norddeutschland, Polen und Südschweden. Im Schnitt traten hier 4,1 Varianten pro Gen-Ort auf - fast doppelt so viele wie bei Rinderrassen aus dem Mittelmeerraum und der Türkei.

Laut den Forscher stehen die genetischen Resultate im Einklang mit archäologischen Befunden. Demnach wurden Rinder bereits in der Jungsteinzeit im nördlichen Mitteleuropa gehalten, und zwar hauptsächlich als Milchvieh und nur in zweiter Linie als Fleischlieferanten. Frühere Studien hätten ergeben, dass die genetische Vielfalt des Rinds mit der Entfernung vom "Fruchtbaren Halbmond", der Region der ersten Domestizierung, abnehme. Zumindest im Falle der für den Menschen wichtigen Milchgene sei das Gegenteil der Fall.


Forschung: Albano Beja-Pereira, Laboratoire d'Ecologie Alpine, Génomique des Populations et Biodiversité, Université Joseph Fourier, Grenoble; Georg Erhardt, Institut für Tierzucht und Haustiergenetik, Justus-Liebig-Universität Gießen; und andere

Online-Veröffentlichung Nature Genetics, 23. November 2003, DOI 10.1038/ng1263

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Dairy Chemistry and Physics
Die ersten Nutztiere
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