21.11.2003, 15:30 Uhr
Feine Wurzeln leben lang

Bäume stehen auf einer langlebigeren und genügsameren Basis als bislang angenommen. Das zeigen von amerikanischen Forschern durchgeführte Begasungsversuche. Selbst feine Wurzeln weisen demnach eine Lebensdauer von mehreren Jahren auf. Entsprechend gering ist der Anteil des von Pflanzen aus der Luft aufgenommenen Kohlenstoffs, der schließlich im Erdreich "verschwindet".

Laut William Schlesinger von der Duke University in Durham, North Carolina, stehen die Ergebnisse "im deutlichen Gegensatz zu dem Dogma, demzufolge diese Wurzeln laufend ersetzt werden." Offenbar habe man den Biomasseumsatz im Untergrund und damit dessen Eignung als Kohlenstoffspeicher bisher überschätzt, schreiben der Forscher und seine Kollegen im Magazin "Science".

Die Gruppe untersuchte zwei junge Bestände von Weihrauchkiefern (Pinus taeda) und Amberbäumen (Liquidambar styraciflua). Über fünf Jahre begasten sie die Bäume mit Kohlendioxid, das deutlich weniger Kohlenstoff-13 enthielt, als normalerweise in der Luft vorhanden ist. Auf diese Weise konnten sie verfolgen, wie der Kohlenstoff bei der Photosynthese in Kohlenhydrate eingebaut wurde und in welchen Pflanzenorganen und -geweben er schließlich auftauchte. Neue Wurzeln wurden stets mit "frisch" gebundenem Kohlenstoff gebildet, zeigten die Messungen. Dennoch fand sich auch nach fünf Jahren noch reichlich Kohlenstoff-13 im Wurzelwerk.

Anhand ihrer Messwerte berechnen die Forscher, dass selbst weniger als einen Millimeter feine Kiefernwurzeln im Schnitt 4,2 Jahre und maximal sogar 12 Jahre alt werden. Derartige Feinwurzeln von Amberbäumen bringen es auf durchschnittlich 1,25 Jahre und bestenfalls auf 4 Jahre, dickere Wurzeln leben jedoch deutlich länger. Modelle des globalen Kohlenstoffkreislaufs müssten diese Arten- und Standortabhängigkeit berücksichtigen, schreiben Schlesinger und seine Kollegen. Und offenbar seien Waldböden weniger geeignet als Puffer für menschliche Kohlendioxid-Emissionen als mitunter angenommen.


Forschung: Roser Matamala und Julie D. Jastrow, Environmental Research Division, Argonne National Laboratory, Argonne, Illinois; William Schlesinger, Nicholas School of Environment and Earth Sciences, Duke University, Durham, North Carolina; und andere

Veröffentlicht in Science, Vol. 302, 21. November 2003, pp 1385-7

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Roots
Plants and their Structure
Carbon Sequestration

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