26.11.2003, 12:55 Uhr
Älteste Nordamerika-Karte keine Fälschung?

Eine neue Runde im Streit um die vielleicht älteste Kartendarstellung Nordamerikas läutet eine amerikanische Chemikerin jetzt ein. Ihrer Ansicht nach sind auf eine Fälschung hindeutende Befunde, etwa das Vorhandensein "moderner" Mineralien in der Tinte, falsch interpretiert worden. Tatsächlich seien sie weitere Belege für den mittelalterlichen Ursprung der so genannten Vinland-Karte.

Die umstrittene Karte war in den 50er-Jahren aufgetaucht und zeigt die Welt aus mittelalterlicher Sicht, inklusive Islands, Grönlands und eines Teils der nordamerikanischen Westküste. Im letzten Jahr hatten Jacqueline Olin von der Smithsonian Institution und Kollegen durch Radiokarbon-Messungen ermittelt, dass das Pergament aus der Zeit um 1434 stammt - über 50 Jahre vor Kolumbus. Eine zweite Gruppe hatte dagegen die Tinte analysiert und gefolgert, bei der Karte handle es sich um eine raffinierte moderne Fälschung.

Dieser Analyse zufolge wurden die Konturen und Schriftzeichen der Karte offenbar in zwei Schichten aufgetragen, zunächst in einer gelblichen und dann in einer kohlenstoffhaltigen schwarzen. Nach Ansicht der Forscher hatte offenbar jemand versucht, die Verwendung von gelblich "auslaufender" und im Mittelalter häufig benutzter Eisengallotannat-Tinte vorzutäuschen. Zudem stießen sie in der gelben Farbschicht auf das Titanmineral Anatas, das erst ab 1917 synthetisiert werden konnte.

Laut Olin sprechen die Befunde eher für die Echtheit der Vinland-Karte. Nach dem Auftragen sei Eisengallotannat-Tinte zunächst fast unsichtbar, und vielleicht habe sich der Schreiber durch Zusatz von Ruß die Arbeit erleichtern wollen. Zudem hätte das Eisen durchaus Anatas enthalten können, wäre es aus dem Eisen-Titan-Mineral Ilmenit gewonnen worden. Das Vorhandensein von Kupfer, Aluminium und Zink in der Tinte der Vinland-Karte spreche ebenfalls für eine mittelalterliche Herstellung. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sei dies noch nicht bekannt gewesen.


Forschung: Jacqueline S. Olin, Smithsonian Center for Materials Research and Education, Suitland, Maryland

Veröffentlicht in Analytical Chemistry, Printausgabe 1. Dezember 2003, DOI 10.1021/ac034533c

WWW:
The Vinland Map
Some "Finer Points" of the Debate
Anatas

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