20.11.2003, 12:11 Uhr
Vulkane begünstigen El Niño

Vulkanausbrüche in den Tropen verdoppeln die Wahrscheinlichkeit, dass im nächsten Winter ein El Niño auftritt. Zu diesem Schluss kommen amerikanische Klimaforscher im Magazin "Nature". Offenbar begünstigt von Vulkanen ausgestoßener Staub das Umschlagen der Luftdruckverhältnisse über dem Pazifik - und damit Dürren und Waldbrände auf der einen und starke Niederschläge sowie Krankheiten auf der anderen Seite des Ozeans.

Bereits früher sei beobachtet worden, dass die Erwärmung des Ostpazifiks häufig nach Vulkanausbrüchen auftrete, erläutert Michael Mann von der University of Virginia in Charlottesville. Nicht zuletzt aufgrund der spärlichen Datenbasis hätten viele Experten die zeitliche Nähe jedoch für ein Zufallsphänomen gehalten. "Nun haben wir eine umfangreiche Datenbasis, die zeigt, dass der Zusammenhang zwischen Vulkanausbrüchen und einer erhöhten El Niño-Wahrscheinlichkeit über mehrere Jahrhunderte Bestand hat", so der Forscher.

Mann und sein Team analysierten bis zu 350 Jahre altes Eis aus Bohrkernen sowie Korallen und Baumringe, um in der Vergangenheit aufgetretene El Niños zu erkennen. Weitere Eisbohrkerne und darin eingeschlossene Aerosole gaben Aufschluss über Vulkanausbrüche. Die statistische Analyse ergab, dass tatsächlich ein Zusammenhang zwischen den Ereignissen besteht. Obwohl Staub und Aerosole in der Atmosphäre die Sonneneinstrahlung verringern, scheinen sie die Erwärmung im Ostpazifik zu begünstigen.

El Niño und seine kalte Schwester La Niña sind extreme Schwingungen eines eng gekoppelten Systems aus Wassertemperaturen und Luftdruck. Normalerweise treiben die Passatwinde das Oberflächenwasser des äquatorialen Pazifiks gen Westen, so dass vor Südamerika kühles Tiefenwasser aufsteigt. Gerät dieses vom Wind getriebene Förderband ins Stocken, kommt es zu einem El Niño. Schließlich "schwappt" das vor Südostasien aufgestaute Wasser in der Tiefe zurück gen Osten, bewirkt auf seinem Weg die als La Niña bezeichnete Abkühlung und verleiht den Passatwinden so neue Kraft.


Forschung: J. Brad Adams und Michael E. Mann, Department of Environmental Sciences, University of Virginia, Charlottesville; Caspar M. Ammann, Climate Global Dynamics Division, National Center for Atmospheric Research, Boulder, Colorado

Veröffentlicht in Nature, Vol. 426, 20. November 2003, pp 274-8

WWW:
Mann Research Group
El Niño/La Niña

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