8.6.2004, 11:11 Uhr
Tasten hilft Sehen
Wenn das Sehsystem nicht mehr weiterweiß, besorgt es sich zusätzliche Information von anderen Sinnen. Das zeigen die Experimente amerikanischer Psychologen. Mit Hilfe des Tastsinnes kann das Gehirn demnach Ordnung in widersprüchliche Bilder bringen.
Randolph Blake und seine Kollegen von der Vanderbilt University in Nashville, Tennessee, zeigten ihren Versuchsteilnehmern Computerdarstellungen sich drehender Kugeln. Das Problem: Die dreidimensionale Struktur der Objekte war nicht eindeutig erkennbar, so dass die Probanden die Drehrichtung der Kugeln nicht mit Sicherheit angeben konnten. Das änderte sich, wenn ihnen weitere "handfeste" Information zur Verfügung stand.
Konnten die Versuchsteilnehmer eine reale, sich drehende Kugel ertasten, löste sich auch die Zweideutigkeit des virtuellen Pendants auf, berichten die Forscher im Fachblatt "Psychological Science". Der Effekt stellte sich allerdings nur ein, wenn Sehen und Tasten gleichzeitig stattfanden. Wurden taktile und optische Information über die Kugeln nacheinander angeboten, schien dies dem Sehsystem kaum zu helfen.
Mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie fanden die Forscher, dass schon das Ertasten einer rotierenden Kugel eine Gehirnregion aktivierte, in der das Sehsystem Bewegung in Struktur umrechnet. Offenbar empfängt diese Region namens MT+ ihre Eingangsdaten nicht nur von der Netzhaut der Augen, schließen Blake und seine Kollegen. "Insgesamt zeigen unsere Ergebnisse, dass das Gehirn somatosensorische Information nutzt, um visuelle Konflikte aufzulösen", schreiben sie.
Forschung: Randolph Blake, Kenith V. Sobel und Thomas W. James, Vanderbilt Vision Research Center und Department of Psychology, Vanderbilt University, Nashville, Tennessee
Veröffentlichung in Psychological Science, Vol. 15(6), Juni 2004, pp 397-402
WWW:
Vanderbilt Vision Research Center
Die fünf Sinne
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