9.6.2004, 19:37 Uhr
Körperwärme soll Implantate antreiben
Den Großteil der mit der Nahrung aufgenommenen Kalorien gibt der menschliche Körper als Wärme ab. Amerikanische Entwickler wollen diese Energiequelle für medizinische Zwecke anzapfen, berichtet das Magazin "New Scientist" in seiner neuen Ausgabe. Das Temperaturgefälle zwischen Körperinnerem und Haut soll dazu dienen, Implantate mit Strom zu versorgen.
Die Batterien in Herzschrittmachern und Defibrillatoren können zehn Jahre und länger halten, müssen dann jedoch im Rahmen eines leichten Eingriffs ausgetauscht werden. Die Firma Biophan Technologies in West Henrietta, New York, will den Zeitraum zwischen diesen Operationen auf mindestens dreißig Jahre strecken. Erreicht werden soll dies mit Hilfe des thermoelektrischen Effekts.
Der Effekt beruht darauf, dass zwei Materialien, beispielsweise Eisen und Kupfer, eine unterschiedliche "Anziehungskraft" auf Elektronen ausüben. Berühren sich die zwei Materialien, entsteht an der Kontaktstelle daher eine elektrische Spannung, deren Höhe von der Temperatur abhängt - zwei unterschiedlich warme Kontaktstellen ergeben so einen kleinen Stromgenerator. Biophan Technologies plant, Tausende solcher Generatoren in Reihe geschaltet auf einem wenige Quadratzentimeter großen Chip unterzubringen. Unter der Haut eines Patienten in einem Temperaturgefälle von zwei Grad Celsius platziert, könnte dieser eine Leistung von 100 Mikrowatt bei einer Spannung von vier Volt liefern.
Diese eher bescheidene Ernte könnte genutzt werden, um die Batterien von Herzschrittmachern laufend neu aufzuladen und so ihre Lebensdauer deutlich zu erhöhen. Zukünftige Implantate mit einem geringeren Energiehunger könnten dank des Wärmekraftwerks unter der Haut vielleicht gänzlich ohne "Wartungsoperationen" auskommen.
Forschung: Biophan Technologies, West Henrietta, New York
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