4.6.2004, 12:24 Uhr
Links und Rechts: Frühlingstierchen aus Guizhou
Die frühesten bekannten Tiere mit einer linken und rechten Körperseite glauben chinesische und amerikanische Paläontologen gefunden zu haben. Wie sie im Magazin "Science" berichten, sind die wenige Zehntel Millimeter großen Fossilien knapp 600 Millionen Jahre alt. Und obwohl es bis zur "kambrischen Explosion" noch 50 Millionen Jahre dauern sollte, schienen die genetischen Grundlagen bereits gelegt.
Entdeckt wurden die Fossilien in der Doushantuo-Formation in der chinesischen Provinz Guizhou. Die Forscher um Jun-Yuan Chen vom Nanjing Institute of Geology and Paleontology und David Bottjer von der University of Southern California, Los Angeles, beschreiben anhand der knapp 0,2 Millimeter großen Gebilde eine neu Tierart, die sie "Vernanimalcula guizhouena" taufen - sinngemäß übersetzt "Frühlingstierchen aus Guizhou". Der Name spielt auf das Ende einer globalen Vereisung vor etwa 600 Millionen Jahren an.
Vernanimalcula im Längsschnitt: Auf die Mundöffnung (oben) folgen Schlund und Darm. Beidseits davon das Coelom. Bild: Copyright Science
Die Körperform der Winzlinge erinnert entfernt an Sonnenblumenkerne: Die Tiere sind etwas länger als breit, deutlich abgeplattet und tragen ihre Mundöffnung auf einer leichten Spitze am Vorderende. Anders als ursprüngliche Tierstämme wie Schwämme und Nesseltiere besitzen sie nicht nur einen durchgehenden Darm samt Schlund und After. Ebenso wie modernere Stämme scheinen sie auch einen dritten Gewebe-Grundtyp und zu beiden Seiten des Darms flüssigkeitsgefüllte Hohlräume aufzuweisen, ein so genanntes Coelom.
Vermutlich ist Vernanimalcula nach Amöbenart über den Grund eines flachen Meeres gekrochen, spekulieren die Forscher. Vertiefungen beidseits der Körperlängsachse könnten Sinnesorgane enthalten haben, so dass die Tiere nicht blindlings umherrobben mussten. Chen, Bottjer und ihre Kollegen sehen in den Fossilien die ältesten bekannten Vertreter der Bilateria, der Gruppe zweiseitiger Tiere, der alle Tiere vom Plattwurm bis zum Menschen angehören. Jedoch sind nicht alle Experten von der Modernität der "Frühlingstierchen" überzeugt, räumt "Science" ein. Laut Stefan Bengston vom Schwedischen Museum für Naturgeschichte in Stockholm könnten feine Mineralablagerungen eine komplexere Gewebeschichtung vortäuschen, als ursprünglich vorhanden war.
Forschung: Jun-Yuan Chen, Nanjing Institute of Geology and Paleontology; David J. Bottjer, Department of Earth Sciences, University of Southern California, Los Angeles; und andere
Online-Veröffentlichung Science Express, DOI 10.1126/science.1099213
WWW:
Nanjing Institute of Geology and Paleontology
Paleolab, University of Southern California
Introduction to the Vendian
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