4.6.2004, 14:03 Uhr
Tiefwasserkorallen weit verbreitet

Korallen wähnt man in warmen, lichtdurchfluteten Meeren der Tropen. Doch auch in kalten und dunklen Gefilden sind die Blumentiere weit verbreitet, zeigt eine neue Studie. Tiefwasserkorallen kommen demnach in praktisch allen Meeren vor - und sind dennoch durch menschliche Aktivität bedroht.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und die Naturschutzorganisation WWF stellen die Studie anlässlich des morgigen Weltumwelttages vor. Durchgeführt wurde die Untersuchung von André Freiwald von der Universität Erlangen-Nürnberg und seinen Kollegen. "Wir finden nicht nur neue Korallenarten und Kaltwasserkorallen an neuen Orten, sondern auch mit ihnen vergesellschaftete Organismen wie Schnecken und Muscheln, die Paläontologen für seit zwei Millionen Jahren ausgestorben hielten", so der Forscher.

Bild: Copyright JAGO Team, Seewiesen

Ein junger Rotbarsch (Sebastes) in einem Tiefwasserriff. Bild: Copyright JAGO Team, Seewiesen

Bislang hielt man Tief- oder Kaltwasserkorallen für Exoten, die auf skandinavische Fjorde und andere Küstengebiete der nördlichen Hemisphäre beschränkt sind. Freiwald und seine Kollegen fanden die Tiefseebewohner jedoch auch vor den Galapagos-Inseln, Indonesien, Angola, im Mittelmeer und an zahlreichen weiteren Orten. Die vollständigen Resultate ihrer Studie präsentieren sie Ende Juni auf einer Fachtagung im japanischen Okinawa.

"Wir verstehen erst allmählich, wo diese Lebensformen vorkommen und welche Rolle sie beispielsweise für die Bestände von Tiefseefischen und die Nachkommenschaft anderer Meeresorganismen spielen", so UNEP-Direktor Klaus Töpfer. Die Tiefwasserkorallen könnten zudem eine Quelle für neue pharmazeutischer Wirkstoffe und Industrieprodukte sein. "Ein falsches Management der neuen Ressource könnte all diese Vorzüge zunichte machen." Einige Länder haben Teile ihrer Tiefwasserriffe bereits unter Schutz gestellt. UNEP und WWF hoffen nun, dass weitere Staaten diesem Beispiel folgen und die fragilen Lebensgemeinschaften vor Bedrohungen wie der Tiefseefischerei, Öl- und Gasbohrungen sowie der Meeresverschmutzung schützen.


Forschung: André Freiwald, Institut für Paläontologie, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg; und andere

WWW:
Paläontologie, Uni Erlangen-Nürnberg
- Tiefwasserriffe
World Environment Day 2004

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.


Werbung: