2.6.2004, 19:01 Uhr
Atlantische Lederschildkröten sind Freigeister
Pazifische und atlantische Lederschildkröten weisen völlig unterschiedliche Reisegewohnheiten auf, haben französische und britische Biologen entdeckt. Während die Pazifikbewohner sich in engen "Korridoren" bewegen, scheinen ihre Artgenossen im Atlantik draufloszuschwimmen, bis sie auf ergiebige Nahrungsgründe stoßen.
Diese Wanderlust erschwere jedoch den Schutz der gefährdeten Meeresschildkröten, schreiben die Forscher um Jean-Yves Georges vom CNRS-Centre d'Ecologie et Physiologie Energétiques, Strasbourg, im Magazin "Nature". "Die wenigen Brennpunkte, an denen Schildkröten und Fischerei mit hoher Wahrscheinlichkeit aufeinander treffen, sind sehr unterschiedlich und weit verstreut über den gesamten Atlantischen Ozean."
Georges und seine Kollegen statteten 32 Lederschildkröten (Dermochelys coriacea), die die Küsten von Surinam und Französisch-Guayana zur Paarung und Eiablage aufgesucht hatten, mit Satellitensendern aus. In der Folge schlugen die Tiere erstaunlich unterschiedliche Wanderrouten ein: Manche zog es in die Nähe der nordamerikanischen Küste, einige nach Osten bis zu den Kapverden und wieder andere geradewegs nach Norden. Dabei schienen sich die Tiere erst dann um Strömungen zu kümmern, wenn diese reichlich Beute versprachen.
Praktisch identische Resultate erhielten Graeme Hays und seine Kollegen von der University of Wales in Swansea. Bei neun Lederschildkröten konnten die Biologen auch die Tauchgänge verfolgen. Zwar brachte es ein Tier auf eine erstaunliche Tauchtiefe von 1.230 Metern. Während 99 Prozent der Zeit beschränkten sich die Schildkröten jedoch auf Tiefen von höchstens 250 Metern und blieben damit im Einflussbereich der Langleinenfischerei.
Forschung: Sandra Ferraroli und Jean-Yves Georges, Centre d'Ecologie et Physiologie Energétiques, CEPE-CNRS UPR 9010, Strabourg; Graeme C. Hays, School of Biological Sciences, Institute of Environmental Sustainability, University of Wales at Swansea; und andere
Veröffentlicht in Nature, Vol. 429, 3. Juni 2004, pp 521-2 und 522
WWW:
seaturtle.org
Dermochelys coriacea
Northeast Distant Fishery Experiment
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