13.5.2004, 20:22 Uhr
Asphaltvulkane in der Tiefsee

Asphalt bedeckt nicht nur Straßen. Im Golf von Mexiko tritt er auch aus regelrechten Asphaltvulkanen aus, berichtet eine internationale Forschergruppe im Magazin "Science". Ähnlich Lava fließt die zähe Masse in 3.000 Metern Tiefe die Hänge von Unterwasserhügeln hinab und schafft dabei die Basis für einzigartige Organismengemeinschaften.

Asphalt tritt als Abfallprodukt bei der Erdölverarbeitung auf - entweder in Raffinerien bzw. durch Mikroben im Untergrund. Das Gemenge aus Mineralien und Kohlenwasserstoffen gilt gemeinhin als wenig lebensfreundlich. "Trotzdem haben wir jetzt ein ganzes Ökosystem gefunden, dass nicht nur auf Asphalt lebt, sondern sich anscheinend auch von ihm ernährt", erläutert Gerhard Bohrmann von der Universität Bremen.

Röhrenwürmer 'luken' unter einem Asphaltstrom hervor. Foto: DFG-Forschungszentrum Ozeanränder

Röhrenwürmer 'luken' unter einem Asphaltstrom hervor. Foto: DFG-Forschungszentrum Ozeanränder

Auf einer Expedition mit dem Forschungsschiff Sonne steuerten Bohrmann und seine US-amerikanischen, mexikanischen und deutschen Kollegen ein Gebiet im Golf von Mexiko an, in dem Satellitenbilder permanent vorhandene Ölteppiche gezeigt hatten. In der Region namens "Campeche Knolls" erheben sich zahlreiche Hügel, emporgedrückt durch aufsteigende Salzmassen, bis zu 800 Meter über den Meeresboden. Die Inspektion eines dieser Hügel enthüllte breite Ströme erstarrten Asphalts, die nahe der Hügelspitze entsprangen und insgesamt gut einen Quadratkilometer Fläche bedeckten. Die Forscher tauften diese Erhebung auf den Namen "Chapopote". Das Wort stammt aus der aztekischen Sprache Nahuatl und steht im mexikanischen Spanisch für "Teer".

Neben Asphaltströmen und austretendem Erdöl stießen Bohrmann und seine Kollegen auf Gashydrate und nahezu sauerstofffreie, dafür jedoch schwefelwasserstoffhaltige Sedimente. Und auch in biologischer Hinsicht hat "Chapopote" einiges zu bieten. Chemosynthese betreibende Tiefseemuscheln leben am Rand der erstarrten Ströme und Röhrenwürmer strecken ihre Wohnröhren in das Sediment direkt unterhalb des Asphalts. Sie leben in unmittelbarer Nachbarschaft mit Tiefseefischen, Krebsen, Stachelhäutern, Korallen und Massen von Bakterien. "Wie das Geflecht des Lebens in diesem System gewebt ist, müssen wir jetzt herausfinden", so Bohrmann.


Forschung: Ian R. MacDonald, Physical and Life Sciences Department, Texas A&M University - Corpus Christi; Gerhard Bohrmann, Fachbereich Geowissenschaften und DFG-Forschungszentrum Ozeanränder, Universität Bremen; und andere

Veröffentlicht in Science, Vol. 304, 14. Mai 2004, pp 999-1002

WWW:
Chapopote Photo Gallery
Seite zur Forschungsfahrt
DFG-Forschungszentrum Ozeanränder

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