13.5.2004, 15:26 Uhr
Neue Schadstoffe aus dem Eis

Die Polargebiete sind das "Endlager" für langlebige anthropogene Schadstoffe. Tschechische Chemiker haben nun ermittelt, dass diese Verbindungen durch Reaktionen in Eis, nicht jedoch in flüssigem Wasser, deutlich an Giftigkeit gewinnen können. Über ihre Versuche berichten sie im Fachblatt "Environmental Science & Technology".

"Unsere Resultate sprechen für ein kürzlich vorgeschlagenes Modell, demzufolge Sonnenlicht die Bildung neuer Typen organischer Schadstoffe im Polareis oder in Eiswolken in der Troposphäre auslösen kann", schreiben die Forscher um Ludĕk Bláha und Jana Klánová von der Masaryk-Universität in Brno. Diese neuen Verbindungen könnten für die Umwelt eine größere Bedrohung darstellen als die Ausgangssubstanzen.

Die Gruppe untersuchte das Verhalten von 2-Chlorphenol und 4-Chlorphenol, zwei vor allem in Pestiziden und zur Herstellung von Farbstoffen und Pharmazeutika eingesetzten Verbindungen. In Wasser gelöst und mit ultraviolettem Licht bestrahlt, wandelten sich beide Verbindungen binnen 30 Minuten vollständig in weitere instabilen Verbindungen um. In Eis gebunden, waren sie dagegen auch nach zehn Stunden UV-Bestrahlung noch nachweisbar.

Im Eis war der häufigste Reaktionstyp die Verknüpfung zweier Chlorphenol-Moleküle zu verschiedenen Dimeren, berichten die Chemiker. Diese Biphenyle, etwa das 5-Chlorbiphenyl-2,4'-diol, waren nicht nur stabiler als die Ausgangsstoffe. Bei Tests an Bakterien und Leberzellen von Ratten erwiesen sie sich auch als deutlich giftiger. Die Forscher wollen nun Photoreaktionen weiterer Schadstoffe untersuchen, die mit dem Wind in die Polgebiete getragen werden und dort aufgrund der niedrigen Temperaturen nicht erneut verdunsten können.


Forschung: Ludĕk Bláha und Jana Klánová, RECETOX Research Center for Environmental Chemistry and Ecotoxicology und Department of Organic Chemistry, Faculty of Science, Masaryk University, Brno; und andere

Online-Veröffentlichung Environmental Science & Technology, DOI 10.1021/es035076k

WWW:
RECETOX, Masaryk-Universität
Chlorophenols

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