11.5.2004, 11:50 Uhr
Eingeschleppte Forellen dezimieren Frösche
Weltweit registrieren Forscher einen Rückgang der Amphibienbestände. Ein wichtiger Faktor dabei sind vom Menschen eingeschleppte Fressfeinde, zeigt ein Langzeitexperiment eines amerikanischen Biologen. Wurden sämtliche Forellen aus abgelegenen Gebirgsseen entfernt, erreichten die Bestände einer seltenen Froschart rasch wieder ihre normale Stärke.
"Viele im Niedergang begriffene oder ausgestorbene Amphibienarten sind auf aquatische Habitate im Gebirge angewiesen", schreibt Vance Vredenburg von der University of California, Berkeley, in den "Proceedings of the National Academy of Sciences". Und obwohl viele dieser Ökosysteme unter Schutz ständen, würden dort häufig und im großen Stil Forellen als Beute für Freizeitangler ausgesetzt.
Rana muscosa. Foto: Copyright PNAS
In der kalifornischen Sierra Nevada wird wiederum der "Mountain Yellow-Legged Frog" (Rana muscosa) Beute der Raubfische, fand Vredenburg. Seinen Beobachtungen zufolge haben es Regenbogenforellen und Bachsaiblinge vor allem auf die Kaulquappen der seltenen Froschart abgesehen - ein umso gewichtigerer Faktor, als deren Larvenstadium vier Jahre dauert. Versuchsweise fischten der Forscher und zahlreiche Helfer mit Handnetzen sämtliche Forellen aus fünf Seen der Region. Schon ein Jahr nach Beginn der Fangaktion waren deutlich mehr Kaulquappen und zugewanderte ausgewachsene Frösche an den Seeufern zu finden. Schließlich erreichte die Individuendichte Werte wie in Seen, in denen niemals Forellen ausgesetzt worden waren.
Seit Ende des 19. Jahrhunderts würden Forellen in den Seen der Sierra Nevada ausgesetzt, so Vredenburg, der Kollaps der Froschpopulationen sei jedoch erst vor einigen Jahren aufgefallen. Die wahrscheinlichste Erklärung für diese Verzögerung liege in der schieren Menge ausgesetzter Fische: Seien die Jungfische anfangs in Milchflaschen verstaut und mit Maultieren über die Gebirgspässe transportiert worden, würden sie seit den 50er-Jahren zu Hunderttausenden von Flugzeugen abgeworfen.
Forellenabwurf. Foto: Copyright PNAS
Forschung: Vance T. Vredenburg, Department of Integrative Biology und Museum of Vertebrate Zoology, University of California, Berkeley
Online-Veröffentlichung PNAS, DOI 10.1073/pnas.0402321101
WWW:
Mountain Yellow-Legged Frog
Regenbogenforelle
Bachsaibling
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