11.5.2004, 15:38 Uhr
Anleitung zum optimalen Kaffeekonsum

Kaffee sollte besser in vielen kleinen, über den Tag verteilten Portionen getrunken werden. Zu diesem Schluss kommen amerikanische Mediziner nach einer Studie, bei der die Teilnehmer 43-Stunden-Tage lebten. Regelmäßige Kaffeedosen steigerten die Leistungsfähigkeit und verhinderten unbeabsichtigtes Einnicken, ohne den Nachtschlaf zu stören.

"Ich sage das nur ungern, aber der Großteil der Bevölkerung wendet Koffein falsch an", sagt James Wyatt, derzeit am Rush University Medical Center in Chicago, Illinois. Trinke man lediglich morgens einige Tassen Kaffee oder Tee, falle der Koffeinspiegel im Laufe des Tages wieder. "Unglücklicherweise gewinnt der physiologische Prozess, dem das Koffein entgegenwirken muss, erst in zweiten Tageshälfte an Bedeutung."

Wyatt und sein Team quartierten 16 junge Männer in einem Krankenhaustrakt ein, in dem es keinerlei Hinweise auf Tag oder Nacht gab. Dort lebten die Probanden einen Monat lang im Rhythmus von knapp 29 Stunden langen Wachphasen und gut 14 Stunden langen Ruhephasen. Eine Hälfte von ihnen nahm während der Wachphasen stündlich eine zwei Schlückchen Kaffee entsprechende Koffeindosis und baute so allmählich einen hohen Koffeinspiegel auf. Diese Teilnehmer schnitten bei Tests der geistigen Leistungsfähigkeit deutlich besser ab und nickten während der langen Wachphase seltener ein. Und obwohl sie sich besser wach halten konnten, fühlten sie sich zu Beginn der Ruhephase schläfriger als die Kontrollpersonen.

Das Schlafbedürfnis werde einerseits vom inneren Tag-Nacht-Rhythmus des Körpers gesteuert, erläutert Wyatt. Unabhängig von diesem ungefähr 24-stündigen Rhythmus steige es mit der im Wachzustand verbrachten Zeitspanne, also mit dem tatsächlichen Schlafbedarf. Die neuen Resultate belegten, dass Koffein hauptsächlich dem zweiten Prozess entgegenwirke, ohne gleichzeitig die erholsame Wirkung des Schlafs zu beeinträchtigen. "Es gibt zwar keinen perfekten Ersatz für Schlaf", so der Mediziner, "unsere Ergebnisse zeigen jedoch, wie man Koffein sehr viel besser nutzen kann, um optimale Wachsamkeit und Aufmerksamkeit zu erhalten."


Forschung: James K. Wyatt und Derk-Jan Dijk, Divisions of Sleep Medicine, Department of Medicine, Brigham an Women's Hospital und Harvard Medical School, Boston, Massachusetts; und andere

Veröffentlicht in Sleep, Vol. 27(3), 11. Mai 2004, pp 374-81

WWW:
Faszination Kaffee
Circadiane Rhythmen

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