14.5.2004, 13:43 Uhr
Parasitäre DNA bestimmt Traubenfarbe

Ein Art genetischer Parasit ist der Grund dafür, dass es blaue, rote und weiße Weinsorten gibt. Zu diesem Schluss kommen japanische Agrarwissenschaftler im Magazin "Science". Rebsorten mit blauen Beerenschalen verloren demnach ihre Farbe, als sich der Untermieter in einem Farbstoffgen einnistete und es dadurch deaktivierte. Indem er seinen Unterschlupf wieder verließ, wurden aus weißen rote Rebsorten.

Image courtesy of Hamilton's Ewell Vineyards, Australia"Der Anbau des Weins begann vermutlich in der Jungsteinzeit, etwa 6.000 bis 5.000 vor Christus, an der Ostküste des Schwarzen Meeres", schreiben die Forscher um Shozo Kobayashi vom National Institute of Fruit Tree Science in Hiroshima. Die Beeren dieser ersten Weinreben seien wahrscheinlich tiefblau gefärbt gewesen, bewirkt durch reichlich blau-violette Farbstoffe aus der Klasse der Anthocyane.

Die Forscher fahndeten nun in unterschiedlichen Rebsorten nach den Genen für die Herstellung dieser Farbstoffe. In blauen und roten Rebsorten waren drei solcher Gene aktiv, in weißen Sorten war eines davon jedoch stumm. Grund war ein Retrotransposon, ein "springendes Element", das sich aus dem Erbgut seiner Wirtszelle lösen und an einer neuen Position wieder integrieren kann. Dabei kann es die Funktion einzelner Gene mehr oder weniger stark beeinträchtigen - so auch geschehen im Falle des "Grape Retrotransposon 1", kurz Gret1.

Shozo Kobayashi und Kollegen glauben, dass die ursprünglichen blauen Rebsorten zu weißen wurden, indem Gret1 in das Farbstoffgen sprang und dann durch natürliche Kreuzung Pflanzen entstanden, in denen sowohl die mütterliche als auch die väterliche Kopie des Gens betroffen war. Die roten Rebsorten sind nicht etwa eine Zwischenstufe, sondern bereits einen Schritt weiter: Bei ihnen hat das Retrotransposon eine der elterlichen Genkopien wieder verlassen, so dass die Anthocyan-Produktion dieser Pflanzen zumindest mit halber Kraft läuft.


Forschung: Shozo Kobayashi, Department of Grape and Persimmon Research, National Institute of Fruit Tree Science, Hiroshima; und andere

Veröffentlicht in Science, Vol. 304, 14. Mai 2004, p 982

WWW:
Anthocyane
Das Wandern ist der Gene Lust
Transposable Element Types

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