19.5.2004, 17:32 Uhr
Magnetische Zwerge bringen Medikamente ans Ziel

Winzige Magnetpartikel könnten Medikamente an ihren Bestimmungsort im Körper bringen und dort auf Kommando freisetzen. Resultate entsprechender Pilotstudien stellen Aachener Wissenschaftler auf dem Deutschen Röntgenkongress in Wiesbaden vor. Indem etwa Chemotherapeutika effektiver verabreicht werden, können mit den Wirkstoffdosen auch Nebenwirkungen reduziert werden.

Entwickelt werden die Wirkstofffrachter von Thomas Schmitz-Rode und seiner Arbeitsgruppe an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Die lediglich 100 Nanometer (Millionstel Millimeter) großen Kügelchen bestehen aus einem Kunststoff und Eisenoxid und nehmen die Wirkstoffmoleküle in winzigen Poren auf.

"Wir werden in diese Nanoteilchen Tumormedikamente einbauen und können den Wirkstoff über ein äußeres Magnetfeld genau dort platzieren, wo Tumoren zerstört werden sollen", erläutert Schmitz-Rode. Das Eisenoxid erfüllt eine weitere Funktion: An Ort und Stelle angelangt, werden die Metallatome durch ein äußeres Hochfrequenz-Magnetfeld in heftige Schwingungen versetzt. Dadurch erwärmen sie die Partikel auf über 45 Grad Celsius, der wärmeempfindliche Kunststoff schrumpft und die eingelagerten Wirkstoffmoleküle werden aus den Poren freigesetzt.

"Der elektromagnetische Impuls kann von außen so gezielt gesetzt werden, dass er wie ein Schalter die Abgabe des Medikamentes reguliert", so der Radiologe und Ingenieur weiter. Alternativ könnten die Partikel auch mit Antikörpern gespickt werden, die bestimmte Oberflächenmoleküle von Tumorzellen erkennen, so dass die Wirkstofffrachter selbsttätig ans Ziel finden. Bisher haben Schmitz-Rode und seine Gruppe die Methode nur im Labor erprobt. Erste Versuche an Lebertumoren sind in Planung.


Forschung: Thomas Schmitz-Rode und Detlef Müller-Schulte, Klinik für Radiologische Diagnostik, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

Präsentation auf dem 85. Deutschen Röntgenkongress, Wiesbaden

WWW:
Klinik für Radiologische Diagnostik, RWTH Aachen
Drug Delivery

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