19.5.2004, 11:36 Uhr
Galaxienhaufen bestätigen Dunkle Energie
Eine rätselhafte "Dunkle Energie" treibt das Universum langsam aber sicher auseinander. Das bestätigen neue Entfernungsbestimmungen, die eine internationale Forschergruppe an Galaxienhaufen durchgeführt hat. Demnach wurde die Expansion des Universums bis vor etwa sechs Milliarden Jahren allmählich langsamer, nahm dann jedoch erneut Fahrt auf.
"Die Dunkle Energie ist vielleicht das größte Rätsel der Physik", sagt Steven Allen von der University of Cambridge. "Daher ist es extrem wichtig, einen unabhängigen Test ihrer Existenz und ihrer Eigenschaften durchzuführen." Allen und seine Kollegen präsentieren ihre Resultate demnächst im Fachblatt "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society".
Chandra-Aufnahmen dreier Galaxienhaufen, wie sie vor 1, 3,5 und 6,7 Milliarden Jahren aussahen. Bilder: NASA/CXC/IoA/S.Allen et al.
Die Astronomen nutzten das Röntgenteleskop Chandra, um in 26 Galaxienhaufen zu spähen. Diese größten Gebilde im Universum bestehen aus Hunderten von Galaxien, Millionen Grad Celsius heißem Gas und Dunkler Materie. Allen und Kollegen gingen davon aus, dass die letzten zwei Komponenten in Galaxienhaufen stets im gleichen Mengenverhältnis vorhanden sind. Anhand der von dem heißen Gas ausgesandten Röntgenstrahlung konnten sie daher die Entfernung der unterschiedlich alten Galaxienhaufen von der Erde ermitteln und erhielten so eine Art Fahrtenschreiber des Universums.
Auf eine Beschleunigung der Expansion des Alls hatten bereits Beobachtungen von Supernovae und der kosmischen Hintergrundstrahlung hingewiesen. Schreibt man den Effekt der Dunklen Energie zu, macht diese rätselhafte Gegenspielerin der Schwerkraft etwa 75 Prozent des Universums aus - Dunkle Materie kommt auf 21 Prozent und sichtbare "normale" Materie auf lediglich 4 Prozent. Die Wirkung der Dunklen Energie dürfte annähernd konstant bleiben, glauben Allen und seine Kollegen. Zumindest sei es unwahrscheinlich, dass der Kosmos dereinst in einem Kollaps ende. Allerdings könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Expansion in ferner Zukunft derart rasant werde, dass es das All förmlich zerreiße.
Forschung: Steven Allen und Andy Fabian, Institute of Astronomy, University of Cambridge; Robert Schmidt, Institut für Physik, Universität Potsdam; und andere
Veröffentlichung in Monthly Notices of the Royal Astronomical Society
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Chandra
Der rasende Kosmos
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