31.3.2004, 15:34 Uhr
Erster Seewetterbericht für Saturnmond Titan

Wenn die europäische Sonde Huygens auf dem Saturnmond Titan niedergeht, könnte sie in einem Meer flüssiger Kohlenwasserstoffe "wässern". Britische Physiker und Ozeanographen haben nun die Bedingungen in einem solchen Ozean simuliert. Huygens müsste demnach mit nur wenigen, dafür aber umso höheren Wellen rechnen.

Titan war im Jahr 1980 von Voyager 1 in geringem Abstand passiert worden. Auf den Bildern der Sonde war jedoch kaum etwas zu erkennen, da sich der zweitgrößte Mond im Sonnensystem mit einem dichten Schleier aus Kohlenwasserstoffen umgibt. Selbst Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble zeigen wenig mehr als helle und dunkle Gebiete. Radarbeobachtungen hatten jüngst vermuten lassen, dass die Oberfläche Titans zu drei Vierteln von Kohlenwasserstoff-Meeren bedeckt ist.

John Zarnecki von der Open University und seine Kollegen fütterten nun ein Computermodell, das zur Simulation irdischer Wellen benutzt wird, mit Daten über Titan und die dort vermuteten Kohlenwasserstoffe. In den hypothetischen Meeren des Saturnmondes gibt es demnach nur wenige Wellen, die sich zudem sehr langsam bewegen. Diese könnten allerdings siebenmal höher sein als ihre Pendants in irdischen Ozeanen, berichten die Forscher auf dem National Astronomy Meeting in Milton Keynes. Hauptgrund ist die sechsmal geringere Schwerkraft.

Huygens reist derzeit huckepack auf der amerikanischen Sonde Cassini gen Saturn und soll im Januar 2005 auf Titan niedergehen. Beobachtern an Bord des womöglich ersten extraterrestrischen Bootes könnte sich ein beeindruckender Anblick bieten, glaubt Zarnecki. Die Oberfläche um die Sonde herum "würde womöglich flach und trügerisch ruhig wirken, in der Ferne könnten wir jedoch eine ziemlich große, sich langsam auf uns zu bewegende Welle sehen - eine Welle, die uns überfluten oder versenken könnte."


Forschung: Nadeem Ghafoor, Surrey Satellite Technology Ltd., University of Surrey, Guildford; John Zarnecki, Planetary and Space Sciences Research Institute, Open University, Milton Keynes; und andere

Präsentation auf dem National Astronomy Meeting, Milton Keynes

WWW:
Titan
Huygens
PSSRI, Open University

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