31.3.2004, 12:41 Uhr
"Sprachgen" bei Vögeln gefunden

Was ihre Geschwätzigkeit angeht, scheinen Menschen und Singvögel einander stark zu ähneln. Das gleiche Gen spielt beim Spracherwerb ersterer und beim Gesangslernen letzterer eine wichtige Rolle, hat eine deutsch-amerikanische Forschergruppe entdeckt.

Das Gen namens FOXP2 codiert für einen so genannten Transkriptionsfaktor, der wiederum die Aktivität zahlreicher weiterer Gene steuert. Vor einiger Zeit hatten Leipziger Anthropologen ermittelt, dass Menschen eine bestimmte Variante dieses Gens besitzen, deren Auftreten offenbar eng mit der Entwicklung der menschlichen Sprache verknüpft war. Constance Scharff vom Berliner Max-Planck-Institut für molekulare Genetik untersuchten nun, welche Rolle das Gen bei Vögeln wie Zebrafinken, Kanarienvögeln und Spatzen spielt.

Ein junger Zebrafink, sein Tutor und ihre Sonogramme. Bild: MPI für molekulare Genetik

Ein junger Zebrafink, sein Tutor und ihre Sonogramme. Bild: MPI für molekulare Genetik

Diese Vögel erlernen ihren Gesang von Artgenossen - ein Prozess, der Ähnlichkeit mit dem Spracherwerb menschlicher Kinder aufweist. Tatsächlich wird FOXP2 bei Singvögeln, wie auch beim Menschen, in den Basalganglien des Gehirns abgelesen, berichten Scharff und ihre Kollegen im "Journal of Neuroscience". Besonders aktiv ist es zudem, wenn die Vögel ihre Gesangsmuster erlernen oder ändern. "Vergleichbare Änderungen konnten wir bei nicht Gesang lernenden Arten nicht nachweisen", erklärt die Neurobiologin.

FOXP2 weist bei Zebrafinken große Ähnlichkeit mit der menschlichen Variante auf, fanden die Forscher. Die vermutlich für den Spracherwerb bedeutende Sequenzvariation konnten sie allerdings nicht nachweisen. "Offensichtlich ist diese Veränderung nicht zwingend erforderlich für das Gesangslernen, zumindest nicht bei Vögeln", so Scharff. Vielleicht besitze das Vogelgen andere Variationen mit ähnlichen Auswirkungen. Weitere Untersuchungen sollen nun mehr über den Einfluss der Gene auf die Gesangsschaltkreise im Vogelhirn verraten. Insbesondere wollen die Forscher versuchen, FOXP2 gentechnisch zu verändern, und die Auswirkungen auf den Vogelgesang studieren.


Forschung: Sebastian Haesler und Constance Scharff, Max-Planck-Institut für molekulare Genetik, Berlin; Kazuhiro Wada und Erich Jarvis, Department of Neurobiology, Duke University Medical Center, Durham, North Carolina; und andere

Veröffentlicht in Journal of Neuroscience, Vol. 24(13), 31. März 2004, pp 3164-75

WWW:
Homepage der AG Scharff
Grand Prix der Vögel
Warum sprechen Menschen?

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