21.4.2004, 19:10 Uhr
Krebse teilen schnellste Schwinger aus
Fangschreckenkrebse erlegen ihre Beute, indem sie mit einem spezialisierten Beinpaar zuschlagen. Amerikanische Biologen haben nun entdeckt, dass diese Schwinger zu den schnellsten Bewegungen im Tierreich gehören. Bewerkstelligt durch einen raffinierten Federmechanismus, scheinen sie den Krebsen auch akustische Attacken zu ermöglichen.
Sheila Patek und ihre Kollegen von der University of California in Berkeley untersuchten Clown-Fangschreckenkrebse (Odontodactylus scyllarus). Die gut 20 Zentimeter großen Tiere töten bzw. lähmen ihre Beute, indem sie ihr mit den Fangbeinen regelrechte Keulenhiebe verpassen. Hochgeschwindigkeitsaufnahmen zeigten, dass die mit Zähnen bewehrten Endglieder der Fangbeine dabei mit bis zu 23 Metern pro Sekunde gegen das Ziel schwingen.
Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass die Krebse ihre Fangbeine vor einem Schlag "einrasten" lassen, so dass die zuständige Muskulatur in aller Ruhe Spannung aufbauen kann. Die extremen Schläge erfordern jedoch eine Leistung von mindestens 0,47 Megawatt pro Kilogramm Muskelgewebe, schätzen die Forscher im Magazin "Nature". Kein bekannter Muskeltyp könne eine derartige Leistung erbringen - daher müssten die Tiere zusätzlich mit einer Art Federmechanismus arbeiten.
Diese Feder vermuten Patek und ihre Kollegen in einer Einkerbung am ersten Glied der Fangbeine. Die Sattelform dieser Kerbe ermögliche das Speichern großer Energiemengen, ohne dass sich bei ihrem Zusammenziehen und plötzlichen Expandieren Runzeln im Panzer bildeten. Am anderen Ende der Fangbeine leiden die "Keulenköpfe" dagegen unter starkem Verschleiß. Grund scheinen bei jedem Schlag entstehende Gasblasen zu sein, deren Kollaps intensive Schallwellen freisetzt. Zwar verleihe dies dem Keulenschlag mehr Nachdruck, so die Biologen, mache jedoch auch häufige Häutungen zur Überholung der Waffen nötig.
Forschung: Sheila N. Patek, Wyatt L. Korff und Roy L. Caldwell, Department of Integrative Biology, University of California, Berkeley
Veröffentlicht in Nature, Vol. 428, 22. April 2004, pp 819-20
WWW:
Caldwell Lab
- Fangschreckenkrebs und Zauberwürfel
The Lurker's Guide to Stomatopods
Odontodactylus scyllarus
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