14.6.2004, 13:22 Uhr
Papierdünne "Insektenkamera"

Das Facettenauge der Insekten dient als Vorbild für ein Kamerasystem, das Jenaer Fraunhofer-Forscher entwickeln. Lediglich Bruchteile von Millimetern dick, könnte es helfen, Chipkarten gegen unbefugte Benutzung abzusichern oder übermüdete Autofahrer zu erkennen.

Das menschliche Auge ähnelt einer Kamera: Hornhaut und Linse bilden das Objektiv, die Pupille die Blende und die Netzhaut einen hochauflösenden Film. Ganz anders das Komplexauge der Insekten: Jede Facette bildet ein vollständiges Einzelauge und "filmt" einen Ausschnitt der Umwelt. Zwar erreicht dieser Augentyp keine sehr hohen Auflösungen, ist jedoch relativ flach und kann insgesamt einen großen Raumwinkel erfassen.

Bilder: Fraunhofer-Gesellschaft

Schema der Linsenschicht und einer der Entwickler im "Selbstversuch". Bilder: Fraunhofer-Gesellschaft

Diese Vorzüge wollen Andreas Bräuer und seine Kollegen vom Fraunhofer-Institut für angewandte Optik und Feinmechanik mit ihrem Kamerasystem nutzen. "Unsere neueren Prototypen sind bereits dünner als 0,4 Millimeter", so der Forscher. Das entspreche etwa der Dicke von drei Blatt Papier. Kameras mit "Säugetieroptik", wie sie etwa in Mobiltelefonen zu finden sind, lägen bei bestenfalls sieben Millimetern Tiefe.

Die Linsenschichten werden mit Chiptechnik hergestellt - eine Voraussetzung für die großtechnische Produktion. Derzeit arbeiten die Jenaer Entwickler daran, diese Schichten mit passenden "Filmen" zu verknüpfen, etwa lichtempfindlichen CMOS-Chips. Bräuer und seine Kollegen gehen davon aus, dass Optik und Elektronik letztlich in eine 0,8 Millimeter starke Chipkarte passen werden. Derartige Karten könnten ihre Besitzer erkennen und in der Hand von Fremden die Arbeit verweigern. Eine weitere Anwendung wären unauffällige Überwachungskameras in Kraftwagen: Aus Blickrichtung oder Augenbewegungen des Fahrers könnte die Bordelektronik auf den Wachheitsgrad des Fahrers schließen und im Zweifelsfall Alarm schlagen.


Forschung: Andreas Bräuer und Jacques Duparré, Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF), Jena

Präsentation auf der Messe Optatec, Frankfurt am Main

WWW:
Fraunhofer-IFO
Das Komplexauge

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